Viva Italia! – Oder: Großmannssucht in Berlin-Mitte

Wochenlang hatten die deutschen Qualitätsmedien gegen Silvio Berlusconi und den Komiker Grillo getrommelt. Zuletzt hatte sich noch Feldherr Guido Westerwelle in die Schlacht geworfen. Es half alles nichts. Die Italiener haben gewählt, wie sie es für richtig hielten, und das hat jetzt die deutschen Qualitätsmedien auf die Palme gebracht: „Mit einer massiven Protestwahl gegen Wirtschaftsmisere und Korruption haben die Italiener ihr krisengeplagtes Land an den Rand dier Unregierbarkeit geführt“, schreiben die Qualitätsjournalisten James Mackenzie und Steve Scherer auf Reuters. Ob die mal nachgedacht haben, welchen Stuss sie da produziert haben? Im Umkehrschluss wird’s deutlich: Hätten die Italiener für Wirtschaftsmisere und für Korruption gestimmt, hätten sie die Regierungsfähigkeit ihres Landes wiederhergestellt. Hatte man früher nicht immer schon geahnt, daß sich Italien nur mit Mafia und Konsorten regieren läßt?
Aber es kommt noch besser, wieder bei Reuters: „Am Tag nach dem Schock“ (wirklich, das haben die so geschrieben!) musste Westerwelle ran, der ein Bla-Bla abließ von stabiler und handlungsfähiger Regierung, die jetzt gebildet werden müsse. Als ob diese 18-Prozent-Lachnummer es etwas anzugehen hätte, wie die in Italien ihre Regierung bilden oder auch nicht. Auf Reuters befiel den Qualitätsjournalisten Matthias Sobolowski das blanke Entsetzen: „Für Europas Reformpolitiker (das meint der wirklich!) ist der Ausgang der Italien-Wahl der größte anzunehmende Unfall.“ Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Da hat das italienische Volk gewählt, und Sobolowski schwafelt von einem GAU, als wenn ihm der Cavaliere persönlich erschienen wäre und diesen Wicht deutscher Qualitätsmedien zum Bunga-Bunga eingeladen hätte.
Aber Sobolewski lässt nicht locker, das hat auf der Journalistenschule gelernt: „Verrenken werden sich die politischen Lager auch, weil ihnen die Finanzmärkte im Nacken sitzen.“ Aha, die Märkte, der stets bemühte Gottseibeiuns, wenn etwas nicht passt oder alternativlos sein muss wie bei Merkel. Merken die in den Redaktionsstuben noch was? Das italienische Volk hat gewählt, und die großmannssüchtigen Gestalten in Berlin-Mitte sollten endlich das Ergebnis freier Wahlen akzeptieren. Viva Italia!
Das können sie nie akzeptieren – ob in Berlin oder in München. Ein weiterer Vertreter der Qualitätsgattung, der große Herr Cornelius von der Süddeutschen Zeitung, geschätzter Schwätzer in unzähligen Shows des GEZ-Fernsehens, stöhnt: „Es regieren Populismus, Geschrei und Lüge.“ Er meint Italien, merkt aber gar nicht, wie gut sein Kommentar, den frühere Generationen von SZ-Chefredakteuren nolens volens in den Papierkorb befördert hätten, auf Berlin passt. „Zwei Komiker sind zur Wahl angetreten“, ist zu lesen, und man kann nur ergänzen, ein dritter Komiker hat in der SZ kommentiert.
Ein bitteres Fazit ziehen die „Deutschen Wirtschafts Nachrichten“: „In Italien hat mehr als die Hälfte der Wähler für euro-kritische Parteien gestimmt. Die Konsequenzen für die EU werden weitreichend sein: Die Völker Europas wollen sich nicht mehr dem demokratisch in keiner Weise legitimierten Diktat aus Brüssel unterwerfen. Das Problem für die EU in ihrer gegenwärtigen Form: Im Grunde kann sie nur so weiterbestehen, wenn sie die Demokratie in den Nationalstaaten abschafft.“ Die Reaktionen aus Berlin bestätigen das.

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