Die Achse Tokio-Rom hält

Die alten Achsenbeziehungen scheinen immer noch zu halten. Dieser Tage überraschten uns die Qaulitätsjournalisten von der einst angesehen Nachrichtenagentur Reuters mit dem Hinweis, Italien komme günstiger an frisches Geld, weil die mit billigem Notenbankgeld ausgestatteten Japaner Anleihen von Euro-Krisenländern wie Italien kaufen würden. Christian Lenk von der DZ Bank wurde so zitiert: „Im Markt spielt imer noch die Geschichte eine Rolle, dass japanisches Geld nach Europa fließt.“

Dabei bricht die Konjunktur in Europa immer tiefer ein, der Automobilmarkt steht vor dem Zusammenbruch. Italien hat keine Regierung und auch keinen Staatspräsidenten mehr. Und die Japaner kaufen in Europa Anleihen wie blöd? Wer das glaubt, hätte auch an die OKW-Siegesmeldungen vom Herbst 1944 geglaubt. Oder an die Geschichte, dass Rom an einem Tag erbaut wurde.

Alle Länder finanzieren sich immer günstiger. Spanien brachte Kurzläufer (ein Jahr) zu einem Zinssatz von 1,235 Prozent unter. Zehnjährige italienische Anleihen rentieren mit 4,276 Prozent, und die „Patriotenanleihen“ der römischen Regierung mit Inflationsschutz finden reißenden Absatz bei den Italienern. Irische Zehnjährige bringen nur noch 3,86 Prozent, während in ganz Europa die Rohölpreise wegen sinkender Nachfrage in den Keller fallen und die anderen Rohstoffpreise ebenso, weil in der Industrie nichts mehr geht. Und da sollen intelligente Menschen Staatsanleihen von Politikern kaufen, die alle europäischen Verträge gebrochen haben und gar nicht daran denken, wie die Fälle Griechenland und Zypern zeigen, ihre Schulden jemals zurückzuzahlen?

Dabei ist die japanische Spur in letzter Konsequenz gar nicht so übel. Georg Erber wies auf Ökonomenstimme darauf hin, dass die japanische, amerikanische und europäische Zentralbank längst ein Super-Target-System aufgebaut haben. Nehmen wir also an, ein (angeblich) japanischer Investor ordert im Milliarden-Umfang Staatspapiere in Italien. Seine Zentralbank leitet aber das Geld nicht weiter, sondern lässt bei der EZB anschreiben, so wie die griechische Staatsbank der Deutschen Bundesbank nicht die Überweisungen griechischer Kunden für deutsche Lieferungen weiterleitet. Statt dessen begleicht die EZB den Anleihenpreis und überweist Geld an den italienischen Staat. Damit bauen sich stille Lasten auf, wie sie auch innerhalb Europas bestehen, was von Zentralbankern und Politikern lange verschwiegen und dann bestritten wurde, bis Ifo-Chef Hans-Werner Sinn den Nachweis führte. Erber: „Kommt es zu Zahlungsausfällen, dann droht den jeweiligen Zentralbanken die Insolvenz.“ Erber rechnet in dem Fall mit Währungsturbulenzen und einem weltweiten Inflationsschub wegen der aufgeblähten Zentralbankmengen.

Erber: „Ob das den Bürgern innerhalb der Eurozone und außerhalb des Weltfinanzsystems klar ist? Ich habe da so meine begründeten Zweifel.“ Die deutsche Staatsbank KfW hat diese Zweifel offenbar nicht. Sie hat einen Zusammenbruch der Euro-Zone durchgespielt. Ergebnis laut KfW-Finanzchef Bernd Loewen: „Die europäische Finanzindustrie könnte ein solches Szenario in der Summe nicht tragen.“

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