Fall Hoeneß: Räuber jagen Räuber

Wenn wir nicht im Frühjahr 2013 leben würden, könnte man sich ins Jahr 1913 zurückversetzt fühlen – angesichts der martialischen Sprache deutscher und europäischer Politiker. Der deutsche SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück will Truppen in echte oder vermeintliche Steueroasen schicken: „Manchmal ist Kavallerie besser als Diplomatie.“ Und der französische Präsident Francois Hollande assistiert und will Steueroasen „ausrotten“. Eines muss klar sein: Solchen Worten und Drohungen werden eines Tages Truppen folgen. Noch ist es nur Rhetorik, aber schließlich werden Schüsse fallen, Überfälle und Plünderungen erfolgen – auch im eigenen Land.

Womit wir bei einem – falls man dem von Qualitätsjournalisten in komplotthafter Kumpanei mit Politikern gemalten Bild glauben sollte – Schwerverbrecher wären: Uli Hoeneß, der Präsident des FC Bayern, ist der Steuerhinterziehung verdächtig und hat sich selbst angezeigt. Die Spoekenkiekerei definiert ihr Verhältnis zum Profi-Sport grundsätzlich so, dass er zur unverzichtbaren Ablenkung des Volkes gehört. Vier Fußballabende in der Woche und vielleicht noch ein oder zwei Länderspiele garantieren, dass das deutsche Volk nicht darüber nachdenkt, wie es immer tiefer in die europäische Zinsknechtschaft hineingezogen wird und der Staat verrottet. Daher könnte einem das Schicksal eines Funktionärs des politisch-medialen Komplexes wie Hoeneß eigentlich egal sein, wenn da nicht noch ein paar Komponenten wären, die ein Schlaglicht auf den Zustand von Politik, Rechtsstaat und Justiz werfen. Wie verrückt die Verhältnisse in Deutschland inzwischen sind, macht Bernd Zeller auf Tagesschauder deutlich: „In der gefühlten und vermittelten Wahrnehmung ist Uli Hoeneß ein größerer Gauner als zum Beispiel Bushido oder der unbekannte Schläger in der U-Bahn.“

Dass auch mit Hoeneß, der bisher erfolgreich für Ablenkung und Unterhaltung sorgte, erfolgreich Ablenkung betrieben werden kann, beschreibt Ronald Gläser in der Jungen Freiheit: „Plötzlich ist nicht mehr die Rede von milliardenschweren Rettungsschirmen zugunsten fremder Länder, von Steuergeldverschwendung im Inland, von staatlicher Hehlerei mit geklauten Kontodaten, von Weginflationieren des deutschen Volksvermögens durch den Euro oder von der Selbstbedienungsmentalität unserer Volksvertreter.“

Susanne Kablitz ergänzt auf ihrem Blog: „Es ist völlig klar, dass unsere Politiker aufs Höchste entrüstet sind – leben sie doch recht fürstlich von den Steuern, die wir zu zahlen haben. Sie hängen wie Parasiten an unserer Lebensenergie und vor allem an unserer Lebenszeit.“

Ähnlich Henryk M. Broder auf der Achse des Guten: „Es gibt keinen Grund, mit Zumwinkel und Hoeneß Mitlied zu haben. Aber fragen muss man sich, warum ein Staat, der seinerseits eine katastrophale Finanzpolitik betreibt, Steuerhinterziehung wie ein Kapitalverbrechen verfolgt. Sogar die Kanzlerin hat sich von Hoeneß distanziert. Denn im Vergleich zu den Billionenschulden, mit denen kommende Generationen belastet werden, sind auch die von Hoeneß nicht deklarierten Einnahmen nichts als Peanuts.“

Die „Freunde der offenen Gesellschaft“ stellen fest: „Uli Hoeneß hat nach allem, was man weiß, niemandem Geld abgepresst, sondern sein Vermögen mit Fußball, Würstchen und Börsengeschäften gemacht. Dass er jemals einem Kunden mit Gewalt seine Bratwürstl aufgezwungen hätte, ist nicht bekannt. Das unterscheidet ihn von der Berliner Räuberbande. Die droht jedem mit Knast, der die Mehrheit seines Einkommens lieber für sich behalten will, als einen maroden Staatsapparat zu finanzieren, den er so nie bestellt hat. Warum soll jemand, der sich dank kaufmännischen Geschicks aus kleinen Verhältnissen nach oben gearbeitet hat, weite Teile seiner Einkünfte an verantwortungslose Politiker abgeben, die fleißig Volksvermögen im Namen der Euro-Rettung vernichten?“

Der Präsident des Finanzgerichtstages, Jürgen Brandt, machte in der WELT vom 25. April 2013 auf einen anderen Aspekt aufmerksam: „Alle Schichten neigen zum Steuerbetrug, Mann und Frau, Ost und West. Es gibt sowohl den Millionär als auch den kleinen Häuslebauer, der seine Handwerker ohne Umsatzsteuer beschäftigt. Oder nehmen wir die Putzfrau, die ohne Besteuerung arbeiten will.“ Drastischer formulieren die „Freunde der offenen Gesellschaft“ diesen Punkt: „Steuerhinterziehung ist Volkssport. Der Schaden entsteht nicht durch die paar Milliarden, die ein paar Wohlhabende ins Ausland geschafft haben, nachdem sie hier darauf einen Grenzsteuersatz von rund 40 Prozent bezahlt haben. Der Schaden entsteht, weil ein raffgieriger Staat von seinen Bürgern und Unternehmen immer mehr einfordert und denjenigen, die Wertschöpfung schaffen, zu wenig lässt. Das macht Schwarzarbeit lukrativ und eine Verkürzung des versteuerten Einkommens reizvoll. Nicht nur für Uli Hoeneß.“

Abschließend von „eigentümlich frei“ ein schönes Zitat des amerikanischen Ökonomen Thomas Sowell, das Andreas Tögel ausgegraben hat: „Ich habe noch nie verstanden, warum es Gier genannt wird, das eigene, verdiente Geld behalten zu wollen, aber es keine Gier ist, sich das Geld anderer Leute aneignen zu wollen.“

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