Oma Merkel und das Internet

Der Satz hätte auch von Generalsekretär Erich Honecker sein können, aber er ist von seiner geistigen Nachfolgerin, der Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Das Internet ist für uns alle Neuland“, beschied sie den amerikanischen Präsidenten Barack Obama bei dessen Besuch am 19. Juni 2013 in Berlin und – so unser Eindruck – zog bei nächster Gelegenheit ihr Siemens S 45 aus dem Hosenanzug, um nach der jüngsten SMS von Ronald Pofalla oder Eva Christiansen zu sehen. SMS war übrigens vorvorgestern, und das Internet ist gerade 20 Jahre alt geworden. Internet bestimmt unser Leben, viele von uns arbeiten den ganzen Tag im Netz, und der Rest ist auch noch nachts darin zu finden. Nur Merkel tippt mit ihren Fingern mit den abgeknabberten Nägeln SMS.

Und wie die Straße ist das Internet einfach toll, weil man schnell überall hinkommt, aber auch böse, weil es schreckliche Unfälle und Straßenräuber gibt. Aber es ändert nichts daran, dass das Internet eine technische Revolution ist, deren jüngste Kinder wie das Smartphone ganze Branchen wie Zeitungsverlage fressen, nachdem die älteren Geschwister wie MP3 bereits die Schallplatten- und CD-Industrie verspeist und die Filmbranche stark angefressen haben. Demnächst sind die Buchverlage dran (Stichwort epub). Beifall bekommt die Kanzlerin allenfalls noch von den Zeitungen, deren Verleger und Qualitätsjournalisten das Internet auch noch für Neuland halten und glauben, mit „Paywalls“ Geld machen zu können. Fragt Honecker: Mauern haben noch nie funktioniert.

Das Schlimme ist, dass man sich Peer Steinbrück einfach nicht vor einem Computer vorstellen kann. Der Mann wirkt so, als sortiere er zu Hause am Wochenende die Farbbänder seiner Olympia Monica, während in Ingolstadt CSU-Chef Horst Seehofer im Quelle-Katalog blättert. Und Claudia Roth von den Grünen heult wieder, weil das Modem nicht funktioniert, während Jürgen Trittin und Cem Özdemir einen öffentlichen Streit über die richtige Länge des WLAN-Kabels vom Zaume brechen.

Was seid ihr doch alle alt.

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