Guidos Hände

Nach der Wahl wird es teuer. Diese ganz alte Erkenntnis aus deutschen Wahlkämpfen dürfte sich auch im Jahr 2013 wieder bewahrheiten. Es sind nicht die großen Nachrichten von Demonstrationen in Istanbul, einem Militärputsch in Ägypten, zurücktretenden Ministern in Portugal oder entlassenen Ministern in Frankreich, von steigenden Zinsen in Spanien und stürzenden Aktienkursen in Deutschland. Nein, ein paar sich hartnäckig wiederholende Botschaften der letzten Tage zeigen, wo die Reise hingehen wird. Dass Bankaktien wie die der deutschen Commerzbank in die Tiefe stürzen, hat einen einfachen Grund: Auch die letzten Griechenlandpapiere oder Kredite an griechische Institutionen, die die Bankhäuser noch halten (wer weiß, was in ihren verschachtelten Produkten so alles noch drin ist), dürften vom nächsten Schuldenschnitt erfasst werden.

Fakt ist: Ungeachtet aller Rettungsmaßnahmen ist der griechische Schuldenstand seit 2008 von 112,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf 156,9 Prozent gestiegen (Quelle: Eurostat, Ende 2012). Diese Schulden können unsere levantinischen Verwandten nie zurückzahlen. Der Schuldenschnitt wird kommen, und das wird teuer für Deutschland. Die damals der Aufnahme Griechenlands in den Euro zustimmten (in Deutschland regierte Gerhard Schröder, SPD), hätten wissen müssen, dass die Bilanzen manipuliert waren und die Griechen die Chance nutzen würden, sich bei niedrigen Euro-Zinsen bis zur Halskrause und höher zu verschulden. Aber die Europäer verhielten sich wie jemand, der einem Alkoholabhängigen noch Schnaps gibt. Jetzt verlangen die Griechen, „dass unsere Partner ihre Solidarität mit Griechenland zeigen werden“, wie der griechische Wirtschaftsminister Kostis Hatzidakis sagt.

Aber bis zur Bundestagswahl muss diese „politische Konkursverschleppung“, wie sie die Linken-Fraktionsvize Sahra Wagenknecht zu Recht nennt, noch weiterbetrieben werden. In diesem Zusammenhang ist der Blitzbesuch des deutschen Außenministers Guido Westerwelle (FDP) in Athen zu sehen, der den Griechen Mut machen (und insgeheim um Ruhe bis zum Wahltag 22. September betteln) wollte: „Man kann es mit den Händen spüren. In Griechenland bewegt sich was“, jubelte Westerwelle. Man fragt sich, wo der wieder seine Finger gehabt hat.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Euro ist stabil abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s