Auch dpa kämpft gegen rechts

Ein anschauliches Beispiel, wie eine mögliche Konkurrenz zum herrschenden Blockparteiensystem sofort in die rechte beziehungsweise rechtsextreme Ecke gestellt wird, lieferte die staatsnahe Nachrichtenagentur adn dpa am 15. Juli 2013. Mit mehr als fragwürdigen Methoden wurde die „Alternative für Deutschland“ (AfD) zum rechten Schmuddelkind gemacht.

Am 15. Juli kam dpa um 12.00 Uhr mit der Meldung: „AfD droht Zerfall wie einst der Schill-Partei“. Autorin und Qualitätsjournalistin Maren Hennemuth hatte ein Interview mit dem Sozialwissenschaftler Alexander Häusler gemacht, der am Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus der Fachhochschule Düsseldorf tätig ist. Häusler war schon im März aufgefallen, als er auf tagesschau.de zur AfD erklären durfte: „In den Statements finden sich Überschneidungen mit rechtspopulistischer Rhetorik.“ Er warnte vor Gefahren durch „Verrohung der politischen Kultur“.

Den Text kannte offenbar auch Qualitätsjournalistin Hennemuth und schickte um 12.15 Uhr (mindestens über den dpa-Landesdienst Hessen) ein Wortlaut-Interview mit Häusler hinterher, in dem dieser feststellte, „Chaos und Stümperei“ prägten das Bild der AfD. Und kandidieren würden dort Personen „mit rückwärtsgewandten Positionen, die eine homophobe Familienpolitik und reaktionäre Forderungen hinsichtlich ostdeutscher Bodenenteignungen vertreten. In solchen Forderungen offenbart sich ein nationalkonservatives und rückwärtsgewandtes Milieu.“

Dass Qualitätsjournalistin Hennemuth nur den Durchlauferhitzer für die folgende dpa-Berichterstattung spielte, wurde um 12.40 Uhr klar, als dpa mit der Meldung von einer Pressekonferenz der neuen Partei in Berlin berichtete: „AfD tritt in allen 16 Ländern zur Bundestagswahl an.“ Qualitätsjournalistin Kerstin Münstermann kam zunächst wie bei dpa üblich mit einer Kurzmeldung von der Pressekonferenz und ließ aber mit der Zusammenfassung von 14.45 Uhr den von Qualitätskollegin Hennemuth vorbereiteten Geist Häusler aus der Flasche: „Nach Ansicht des Düsseldorfer Sozialwissenschaftlers Alexander Häusler wird das öffentliche Bild der Euro-Gegner derzeit von ,Chaos und politischer Stümperei‘ geprägt. Der AfD drohe ein innerparteilicher Zerfall wie etwa vor zehn Jahren in Hamburg der rechtspopulistischen Schill-Partei.“ Eine nähere Begründung gab es dazu nicht. Ist ja im Kampf gegen rechts, der inzwischen quasireligiöse Züge annimmt, auch nicht nötig.

In einem Feature von 16.50 legte Qualitätsjournalistin Münstermann noch einmal nach und brachte wieder Häusler: Er halte „die AfD trotz ,Chaos und politischer Stümperei‘ für nicht ungefährlich. Es bestehe die Gefahr, dass diese Partei ein Anziehungspunkt werde für die hierzulande existenten rechtspopulistischen Einstellungen.“

Eine Grundregel des Journalismus, nämlich eine zweite Stimme eines anderen Wissenschaftlers einzuholen, wurde missachtet. Bei dpa gilt offenbar der Grundsatz, dass alles, was nicht mit dem herrschenden Blockparteiensystem kompatibel ist, in die rechte beziehungsweise rechtsextreme Ecke gestellt wird. Und da ist jedes Mittel recht.

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