Hochstapler Döpfner: Der letzte Akt

Der Pianist verkauft das Tafelsilber: Nur Unwissende können sich wundern, dass Mathias Döpfner fast alle Print-Titel des Springer-Verlages verkauft. Wundern kann man sich allenfalls darüber, dass der Vorstandsvorsitzende mit der Funke-Gruppe (WAZ) einen Käufer gefunden hat, der 920 Millionen Euro für diese Schrott-Titel bezahlen will. Spätere Zeitungsforscher werden einmal feststellen, dass hier ein Hochstapler sein letztes, ganz dickes Ding gelandet hat, ehe das traditions- und ruhmreiche Haus Springer in den Niederungen der deutschen Geschichte versank.

Die Lage des Hauses Springer ist in wenigen Sätzen analysiert: Geld bringt noch die Bild-Zeitung und noch ganz wenig die BILD am Sonntag, allerdings beide immer weniger, weil die Auflagen im freien Fall sind. Die WELT und WELT am Sonntag ist Döpfner nur deshalb nicht los geworden, weil diese Zeitungen de facto niemand mehr kauft geschweige denn liest. Selbst die dümmsten Zeitgenossen haben inzwischen das viele von Springers „blauer Gruppe“ stammende Altpapier in Flughäfen, in der Bahn und Urlauberhotels gesehen, für das sich keine Gäste, sondern nur die Altpapierhändler interessieren. Beide Titel sind de facto tot.

Es gibt keinen deutschen Verlag und kein Medienhaus, das im Internet Geld verdient. Selbst „Spiegel online“ schafft nur eine „schwarze Null“. In der Branche fragt man sich seit langem, wieso ausgerechnet Springer hier angeblich Gewinne einfährt. Es ist davon auszugehen, dass die zahllosen Digital-Firmen Geschäfte untereinander machen, die Umsätze aufgebläht und die Gewinne inszeniert sind. Da kein Geld mehr in der Kasse war, musste jetzt das Tafelsilber raus.

Man erinnert sich an den Verkauf der norddeutschen Springer-Regionalzeitungen vor einigen Jahren an die Madsack-Gruppe, die das Geschäft nie gemacht hätte, wenn sie geahnt hätte, in welch miserablem Zustand die Springer-Zeitungen waren. Jetzt ist das Geld von Madsack alle, und Döpfner muss wieder ans Eingemachte.

Döpfner hatte noch nie Ahnung vom Zeitungs- und Mediengeschäft. Aber wie alle Hochstapler kann er Menschen blenden und umgarnen – in diesem Fall die Mehrheitsaktionärin Friede Springer. Das einstige Kindermädchen soll in dem jungen Pianisten tatsächlich eine Art Axel-Cäser-Ersatzfigur gesehen haben. Nur weiß der dümmste Bauer, dass eine billige Kopie kein Ersatz für das Original ist. Friede Springer weiß das bis heute nicht, sondern freut sich wahrscheinlich, dass ihr Aktienpaket an einem Tag 16,78 Prozent mehr wert geworden ist. Wer die Börse kennt, weiß, dass solche Gewinne an einem Tag weg sein können – und der Sturz der Springer-Aktie ins Bodenlose zum Penny-Stock ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Es gehört zum Charakter von Hochstaplern, dass sie bis zum Schluss ihre Rolle perfekt spielen und noch auf Empfängen Reden halten, während Polizei und Staatsanwaltschaft schon im Anmarsch sind. Und es gehört zur Geschichte der Hochstapelei, dass die meisten Zeitgenossen noch auf die aufgetischten Märchen von des Kaisers neue Kleider hereinfallen beziehungsweise hereinfallen wollen, bis eines Tages ein Kind ruft, dass der Kaiser nichts an habe. Hier ist dieser Ruf: Springer ist faktisch pleite.

Es gibt viele Gerüchte im Springer-Verlag. Eines ist besonders interessant. Danach hatte der Stromausfall im Druckhaus Spandau am 28. Juni 2013 keine technischen Gründe. Wo viel Rauch ist, weiß der Volksmund, ist auch Feuer.

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