Jetzt amtlich: Lebensversicherte um 41 Milliarden betrogen

Je näher der Termin der Bundestagswahl rückt, desto dreister wird die regierungsamtliche Propaganda. „Die Bundesrepublik profitiert in zweistelliger Milliardenhöhe von der Eurokrise“, berichtete etwa das Handelsblatt online und gab damit einen Bericht von Spiegel online wider. Vor allem wegen der gesunkenen Zinsen für Staatsanleihen spare Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) an Ausgaben für den Schuldendienst.

Unter Berufung auf die Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Joachim Poß wird vorgerechnet, dass die Ausgaben für Zinsen für deutsche Staatsanleihen zwischen 2010 und 2014 um 40,9 Milliarden Euro niedriger gewesen seien als ursprünglich geplant. Der Grund ist die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Den Ersparnissen würden Belastungen durch die Eurokrise in Höhe von 599 Millionen Euro gegenüber stehen.

Fein, denkt der deutsche Michel, der wie in der Vergangenheit jeden Scheiß glaubt, den seine Regierungen erzählen, jetzt haben wir doch an der Eurokrise endlich auch mal was verdient, und die Nörgelei über Risiken und milliardenschwere Haftungen haben wir ja ohnehin noch nie geglaubt. Mit 40 Milliarden Euro kann man ganz viele Kitas bauen, und da bleibt sogar noch Geld für die Infrastruktur übrig. So denkt Michel, und so ist auch das Kalkül der Regierung.

Doch umgekehrt wird ein Schuh raus. Die 40,9 Milliarden Euro, die Schäuble weniger an Zinsen ausgibt, fehlen nicht etwa irgendwelchen anonymen Investoren und Spekulanten, die jetzt in Not geraten und ihre Yachten in Monaco verkaufen müssen. Deutsche Lebensversicherungen, Pensionskassen und Versorgungswerke kaufen diese Anleihen mit den Beitragsgeldern ihrer Versicherten. Auf diese Staatsanleihen gibt es jedoch keine oder fast keine Zinsen mehr. Die Versicherungen müssen diese Anleihen von Schäuble dennoch kaufen, weil der sie gesetzlich zwingt, das Geld sicher – also beim deutschen Staat – anzulegen. Ob das wirklich so sicher ist, ist ein ganz anderes Thema.

Jeder Lebensversicherte, der auf die Jahresmeldungen seiner Versicherung schaut, wird feststellen, dass die Auszahlungszusagen fürs Alter seit 2010 zum Teil dramatisch zurückgenommen worden sind. In der Summe sind das genau die 40,9 Milliarden Euro, die Schäuble spart. Um diesen Betrag sind deutsche Lebensversicherte betrogen worden, weil die Zinsen unnatürlich niedrig sind.

Und damit haben die deutschen Lebensversicherten und Beitragszahler für Pensionskassen und Versorgungswerke bereits für die europäischen Südländer geblutet. Denn die EZB hat die Zinsen im Euroraum deshalb so drastisch gesenkt, weil Italien, Spanien, und Frankreich sonst die Zinsen auf ihre Staatsanleihen nicht mehr hätten bezahlen können. Die 40,9 Milliarden sind also Teil der Eurorettungs-Kosten. Deutschland profitiert nicht, Deutschland zahlt.

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Eine Antwort zu Jetzt amtlich: Lebensversicherte um 41 Milliarden betrogen

  1. Harman Singh schreibt:

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