Energiewende als Potemkisches Dorf

Wenn Qualitätsjornalisten anfangen, ihre Eingangssätze mit unbestimmten Begriffen anzureichern, ist höchste Vorsicht geboten. Ein Beispiel lieferte die staatsnahe Nachrichtenagentur adn dpa am 19. September 2013, als sie schrieb, „ein riesiger Windpark mit der bundesweit größten Versuchsanlage zur Energiespeicherung über Wasserstoff ist am Donnerstag in Mecklenburg-Vorpommern in Betrieb genommen worden“. Weder mit „riesigem Windpark“ noch mit der „bundesweit größten Versuchsanlage“ kann der normale Leser etwas anfangen.

Das soll der Leser auch nicht, denn hier soll eine Botschaft verbretet werden, um die untergehende Energiewende doch noch zu retten. Die Botschaft lautet: Windkraft ist schwer im Kommen, und Strom kann gespeichert werden. Das sind natürlich Märchen, die hier verbreitet werden. Der „140-Megawatt-Windpark“ (nähere Erläuterungen macht dpa nicht) bei Grapzow nördlich von Neubrandenburg hat 220 Millionen Euro gekostet. Der Betreiberseite ist zu entnehmen, dass die Stromproduktion für 125.000 Haushalte reichen soll. Das sind 15 Prozent aller Haushalte in Mecklenburg-Vorpommern. Wo die bei selbst in diesem Bundesland gar nicht so seltener Windstille ihren Strom beziehen sollen, sagen weder Betreiber noch dpa.

Vielleicht aus dem so hochgelobten Wasserstoff-Stromspeicher? Dazu lesen wir in recht kleiner Schrift auf der Betreiberseite: „Im be­stim­mungs­ge­mä­ßen Be­trieb soll die An­la­ge so­wohl den Ei­gen­strom­be­darf der Wind­ener­gie­an­la­gen so­wie lo­ka­ler En­er­gie­be­darfs­struk­tu­ren kom­plett CO2-frei ver­sorgen und da­bei wei­ter op­ti­miert wer­den.“ Übersetzt heißt das: Man weiß nicht, ob die Methode funktionieren wird, aber wenn es klappt, gibt es wenigstens hin und wieder Licht auf dem Hof.

An diesem relativ kleinen Vorgang zeigt sich, dass die Berliner Blockparteien die Energieversorgung des Industriestandortes Deutschland fahrlässig in die Hände von Dilettanten gelegt haben, die sie jährlich mit über 20 Milliarden Euro subventionieren müssen. Dafür gibt es gelegentlich Strom. Dass Subventionen wirtschaftlich nichts bringen, zeigt die Solarbranche. Sie hat nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 40 Prozent ihrer Stellen abgebaut und hatte im ersten Halbjahr 2013 nur noch bundesweit 5.830 Beschäftigte. Selbst adn dpa wunderte sich: „Branchenverbände hatten in der Vergangenheit höhere Beschäftigtenzahlen genannt.“ Alle Qualitätsmedien sind (offenbar nicht ungern) auf die gefälschten Zahlen hereingefallen.

Es ist davon auszugehen, dass die Subventionsempfänger gewaltige Lügengebäude errichtet haben, um immer höhere Beträge von Steuerzahlern und Stromkunden kassieren zu können. Russen kennen dieses Verfahren als den Bau Potemkischer Dörfer.

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