Qualitätsbeweis: Zeitungsauflagen im freien Fall

Deutscher Qualitätsjournalismus hat sein erfolgreiches Wirken erneut unter Beweis gestellt. Den aktuellen Auflagenzahlen der IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern) ist zu entnehmen, dass fast alle deutschen Qualitätsblätter im dritten Quartal 2013 im Vergleich mit dem Vorjahresquartal massiv an Auflage verloren haben.

Bei der sogenannten harten Auflage (nur Abonnements und Einzelverkauf) meldet Springers Bild einen Rückgang um 6,2 Prozent auf 2,46 Millionen Exemplare. Das entspricht einem Verlust von 162.399 Stück. Auch die Süddeutsche Zeitung (-2,5 Prozent), die Frankfurter Allgemeine (-2,7 Prozent) und Die Welt (-6,2 Prozent) geben stark nach. Nur das Handelsblatt konnte um 1,8 Prozent zulegen, hat aber mit 87.791 Exemplaren viel zu wenig Auflage, um sich dauerhaft halten zu können.

Unter den Wochenblättern geht es nur der „Zeit“, dem Hausblatt des grün-neureichen Mittelstands, mit einem leichten Zuwachs von 0,5 Prozent auf 503.723 Exemplaren gut. Wer sich heute zur grünen Bourgeoisie zählt, muss das Blatt auf dem Wohnzimmertisch (kein Tropenholz) liegen haben – gleich neben dem Manufactum-Katalog. Andernfalls könnten die zum gemeinsamen Kochen in die 50.000-Euro-Küche anrückenden FreundInnen und Freunde die Nase rümpfen. So einen exklusiven Status haben Bild am Sonntag (-6,4 Prozent), Welt am Sonntag (-0,2 Prozent) und Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (-2,5 Prozent) natürlich nicht.

Auffällig unter den regionalen Blättern ist die WAZ-Gruppe (heute Funke-Mediengruppe), die in ihrem Kerngebiet in Nordrhein-Westfalen 8,1 Prozent verlor. Das ist keine gute Voraussetzung für die Übernahme der meisten Springer-Titel (Berliner Morgenpost, Hamburger Abendblatt), die auf den Leser ohnehin scheintot wirken und selbst schon massiv Auflage einbüßen. Im früher heiß umkämpften Berliner Zeitungsmarkt sind die Leute inzwischen auf der Flucht vor Journalisten, die nur noch Einheitsbrei produzieren und am Leser vorbei schreiben. Die BZ verlor 9,5 Prozent, die Berliner Zeitung 6,1 Prozent, die Berliner Morgenpost 4,4 Prozent, Der Tagesspiegel 3,1 Prozent und der Berliner Kurier 7,1 Prozent.

Da das schnelllebige, trendige und moderne Berlin der Zeit im Vergleich zum übrigen Deutschland immer etwas voraus ist, sollten sich Qualitätsjournalisten und Zeitungsverleger darauf einstellen, was in den nächsten Jahren auf sie zukommen wird: der Untergang.

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