Rechte Morde: Wie Medien manipulieren

Die Nachrichten überschlugen sich förmlich. Qualitätsjournalisten machten Überstunden: „Die Zahl der Opfer rechtsextremer Gewalt in Deutschland ist möglicherweise 14 mal höher als bisher offiziell angegeben“, fabulierten etwa Markus Decker und Andreas Kopietz in der Berliner Zeitung am 5. Dezember 2013. Endlich schien der Beweis da, dass die braunen Horden in Deutschland heute wieder wüten wie zu Hitlers Zeiten. Weiter lesen wir in dem Qualitätsblatt: „Die Bundesregierung ging bislang von 63 Morden mit rechtsextremistischem Hintergrund aus. Nun gibt es aber bei 746 Tötungsdelikten und Tötungsversuchen mit insgesamt 849 Opfern zwischen 1990 und 2011 laut Bundesinnenministerium Anhaltspunkte für ein möglicherweise rechtsextremistisches Tatmotiv. Insgesamt wurden 3.300 ungeklärte Delikte durch das Bundeskriminalamt und die für die Polizeiarbeit zuständigen 16 Bundesländer überprüft. Verschiedene Medien, unter anderem die Hamburger Zeit, kamen bereits in den vergangenen Jahren auf die Zahl von 152 Taten rechter Extremisten. Die Amadeu-Antonio-Stiftung zählte 184 Fälle. Die aktuelle Überprüfung war nach Bekanntwerden der NSU-Morde initiiert worden.“ Für die taz steht damit die „neue Dimension des Grauens“ fest. „Es kommt ans Licht“, freute sich auch der Berliner Tagesspiegel.

Ursprung war eine Meldung der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, die von allen deutschen Qualitätsjournalisten ungeprüft übernommen und auch noch mit dem NSU-Prozess und dem NPD-Verbotsantrag der Bundesländer beim Bundesverfassungsgericht zu einer schönen braunen Sauce zusammengerührt worden war. Da muss den Qualitätsjournalisten beim Lesen ihrer Texte ein wohliger Schauer über den Rücken gelaufen sein. Abends beim Italiener in Berlin-Mitte haben sie sich dann wieder gemeinsam über die Behörden, die Nazis decken, empört.

Die Wahrheit sieht natürlich anders aus. Sie zu recherchieren hatte aber kein Qualitätsjournalist nötig. Lesen wir, was das Bundesinnenministerium zur Zahl 746 mitteilt: Es „wurden zunächst sämtliche statistisch erfassten ungeklärten Tötungsdelikte aus dem Zeitraum 1990 bis 2011 als Grundlage herangezogen (3.300 Fälle). Aus diesem Gesamtgerüst haben die Länder anhand zunächst sehr breit angelegter Indikatoren (z.B. ausländische Staatsangehörigkeit, Religionszugehörigkeit oder sexuelle Orientierung des Opfers) die zitierten 746 Fälle herausgearbeitet. Über den tatsächlichen politisch motivierten Hintergrund der Fälle oder dessen wahrscheinliches Vorliegen ist damit noch in keinem Fall eine Aussage getroffen. Die 746 Fälle sind lediglich Grundlage für eine nun folgende eingehendere, kriminalistisch-analytische Aufbereitung und Einzelfallbetrachtung.“

Das heißt: Ein gläubiger Muslim kann zum Beispiel seinen schwulen türkischen Landsmann umgebracht haben, weil er dies aufgrund seiner religiösen Grundsätze für notwendig hält. Und ist auszuschließen, dass Migranten Migranten umbringen (es soll Ehrenmorde geben)?

Auszuschließen ist aber inzwischen, dass in deutschen Qualitätsmedien noch die Wahrheit zu finden ist.

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