Qualitätsjournalismus bricht zusammen

Überrascht ist eigentlich niemand mehr. Der deutsche Qualitätsjournalismus setzt seinen freien Auflagenfall fort. Besonders betroffen: Springers BILD verlor im vierten Quartal des letzten Jahres 192.065 Exemplare gegenüber dem vierten Quartal 2012 und kommt jetzt noch auf eine Auflage von 2,26 Millionen Exemplaren. Vor gut zehn Jahren verkaufte BILD noch vier Millionen Exemplare. Auf jedem deutschen Bauarbeiter-Klo lag damals eine BILD-Zeitung. Heute spricht kaum noch ein Bauarbeiter deutsch. Auch Bild am Sonntag hat wieder schwer bluten müssen. Mit einem Verlust um 7,5 Prozent (100.000 Exemplare weniger) nähert sich das Blatt der Eine-Million-Grenze. Verkauft werden noch 1,1 Millionen. Vor zehn Jahren wurden von dem Sonntagsblatt noch zwei Millionen Stück verkauft.

Überhaupt sind die Zeitungen des Springer-Verlages (soweit noch nicht an die Funke-Gruppe verkauft) Spitze – wenn es um das Abbauen der Auflage geht. Damit rückt auch die Konkursanmeldung des Springer-Verlages in greifbare Nähe. Springers einstiges Flaggschiff DIE WELT sinkt mit einem Verlust von 4,5 Prozent auf 129.178 verkaufte Exemplare immer schneller. Die Welt am Sonntag hält sich seit etlichen Quartalen immer bei rund 401.000 Exemplaren, was den Verdacht nährt, dass an der Auflage kräftig manipuliert wird. Leser der Springer-Zeitungen sieht man nur noch, wenn die Zeitungen in Hotels, Bahnhöfen und Flughäfen in großen Mengen herumliegen und kostenlos mitgenommen werden können.

Den anderen überregionalen Zeitungen geht es kaum einen Deut besser. Auch Süddeutsche Zeitung (336.408, minus 2,8 Prozent) und Frankfurter Allgemeine (260.258, minus 3,3 Prozent) ließen ebenso kräftig Federn wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die mit einer „harten“ (also echt verkauften Exemplaren) Auflage von 350.740 (minus 2,4 Prozent) dennoch weit vor dem kreativ aufgeblähten Springer-Sonntagsblatt liegen dürften. Ausnahme im Schrumpfmilieu ist DIE ZEIT mit einer harten Auflage von 441.449 Exemplaren. Das Blatt für die gebildeten grünen Stände darf in keinem Wohnzimmer der an den Sonnenhügeln des Stuttgarter Stadtrandes liegenden Villen des grünen Bildungsbürgertums fehlen. Gelesen wird es kaum.

Den Wochenmagazinen geht es genauso schlecht wie den Qualitätskollegen von der Tagespresse. Der Spiegel verkaufte 48.552 Exemplare weniger (minus 5,4 Prozent) und kommt auf 842.322 Stück. Zuvor war schon bekannt geworden, dass das Anzeigengeschäft total eingebrochen ist. Offenbar macht sich das Wirken des vonn Springer übernommenen Qualitätsjournalisten Nikolas Blome als Leiter des Berliner Spiegel-Büros noch schneller bemerkbar als erwartet. Focus verliert 9,7 Prozent, hat nur noch 509.983 Exemplare und dürfte bei sich fortsetzendem Trend in zweieinhalb Jahren bei null stehen. Daran ist die Dramatik des Auflagenverlusts zu erkennen. Wir haben es mit einer dramatischen Schwindsucht zu tun. Die Qualitätspresse windet sich im Todeskampf.

Die Gründe sind weitgehend bekannt, werden aber von den Blattmachern ignoriert: Mit vereinten Kräften schreiben die Qualitätsjournalisten gegen die Interessen der Leser an. Wenn die Leserschaft wissen will, warum Mario Draghi im Verein mit der in Berlin regierenden Räuberbande das Vermögen der Deutschen mit der Euro-Währung vernichtet, dann werden den Lesern statt dessen Märchen über die nahende Machtübernahme rechter Idioten aufgetischt. Die Homoehe wird als vorbildlich deklariert, und wenn wie in Baden-Württemberg 200.000 Leute gegen homoorientierten Unterricht protestieren, werden diese Leute in Kommentaren als homophob beschimpft. Diese ständigen Interviews und Stellungnahmen von Claudia Roth, Volker Beck, Bärbel Höhn und Wolfgang Thierse will doch kein Mensch lesen. Wurden früher Sozialismus und Weltfrieden besungen, sind es heute Vielfalt und Toleranz. Nichts als leere Worthülsen damals wie heute.

Beschwert sich ein Leser über hohe Stromkosten, wird er belehrt, das sei halt der Preis der Energiewende. Die größte Umweltzerstörung aller Zeiten durch die überall aufgestellten Energieerzeugungsanlagen wird tabuisiert. Und wagt es einer nach Auslanderkriminalität zu fragen, wird er beschieden, das seien nur Einzelfälle, die in rechten Blogs aufgebauscht würden. In Dortmund und Regensburg empörten sich Qualitätsjournaliusten über geplante Auftritte einer als rechts verdächtigten Musikgruppe – statt einen objektiven Konzertbericht zu verfassen. Die Qualitätsjournalisten haben den Boden der Tatsachen verlassen, die Leute bekommen zu lesen, was sie lesen sollen. Was sie lesen wollen, finden sie im Internet. Und so sagen sie den Zeitungen und Magzinen „Servus“. Erst war er leise, jetzt wird der Abschiedsgruß immer lauter.

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