Demokratie ist nur hinderlich

Wolfgang Röhl hält in einem Beitrag auf „eigentümlich frei“ die Mogeleien bei der Wahl des beliebtesten Autos durch die Führung des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs (ADAC) für eher langweilig. „Von allen Aufregern der letzten Woche ist der ,ADAC-Skandal‘ der nichtigste, der blödeste“, schreibt Röhl, der die Mitgliedschaft in dem Club für eine „relativ günstige Versicherungspolice“ hält.

Das mag alles sein, aber dennoch öffnen die Vorgänge um den Autoclub den Blick auf das mächtige deutsche Vereinswesen, das Teil des politisch-medialen Komplexes ist. Röhl hat natürlich Recht, wenn er schreibt, der ADAC vertrete schon lange keine Interessen „bleifußgeiler Raseridioten“ mehr, sondern sei mit seiner Befürwortung von mehr Radarfallen „in der Mitte der Auto-kritischen Gesellschaft angekommen“.

Und da dankt Röhl nicht weit genug. Der ADAC kennt keine Mitbestimmung seiner 18 Millionen Mitglieder. Die zahlen Beiträge, irgendeinen Einfluss haben sie nicht. Eine kleine Elite im Club mauschelt aus, wer welchen Posten bekommt. Und die Posteninhaber lassen sich in Hubschraubern durch die Gegend fliegen, während ihre Klientel unten drunter im Stau steht. Den meisten ADAC-Mitgliedern gehen vermutlich die ständigen Steuererhöhungen, Reglementierungen und der Verfall der Straßeninfrastruktur auf den Geist, aber ihre angebliche Vertretung ADAC lässt dann in Statements Verständnis für die Probleme der Politik erkennen statt auf den Putz zu hauen. Vermutlich hat der Bundesverkehrsminister im ADAC mehr Einfluss als eine Million Mitglieder.

Das ist auf der grünen Seite des vereinten politischen Spektrums nicht anders. Nehmen wir als eine beispielhafte Organisation Greenpeace heraus. Wie der ADAC Reisen und Versicherungen verscherbelt, hat auch Greenpeace wirtschaftliche Interessen und verkauft über die (angeblich unabhängige) Energiegenossenschaft Greenpeace Energy Strom an Verbraucher. Dem Verein Greenpeace kann man nicht beitreten, es handelt sich wie beim ADAC eine geschlossene Benutzergruppe, die es sich gut gehen lässt. Die 580.000 Fördermitglieder dürfen blechen, haben aber nichts zu sagen. Demokratie ist da nur hinderlich – eine Erkenntnis, die sich inzwischen fast der gesamte politisch-mediale Komplex zu eigen macht.

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