Reiche Grüne fahren E-Autos

E-Autos gelten als ein Eckpfeiler der Energiewende. In deren Batterien, so machen uns die Grünen und andere Experten weis, können wir den überflüssigen Wind- und Sonnenstrom unterbringen, der bekanntlich immer dann erzeugt wird, wenn er gerade nicht gebraucht wird. In grünen Visionen bilden dann eine Million Elektroautos einen gigantischen Stromspeicher, der das Speicherproblem bei Strom lösen soll. Zum abendlichen Kochen mit Freunden bei Windstille kommt der Strom aus der Batterie des schicken E-BMW, der vor der von den Eltern geerbten Villa in München-Grünwald parkt. Grünes Leben kann bei einem frischen Möhren-Ingwer-Süppchen mit Dinkelbrot richtig schön sein.

Die Bundesregierung hat ehrgeizige Ziele: Eine Million E-Autos sollen bis 2020 auf deutschen Straßen unterwegs sein. Man ahnt schon beim Blick auf die Zulassungszahlen, dass nichts daraus werden kann. 2013 gab es 7.114 E-Autos in Deutschland, zum 1. Januar 2014 waren es immerhin 12.158. Selbst wenn sich diese Zahl Jahr für Jahr verdoppeln und kein E-Auto in Deutschland jemals kaputtgehen oder verunfallen würde, wären es 2020 keine Million. Es wird auch nie eine Million werden, weil die Fahrzeuge zu teuer und die Reichweiten zu kurz sind. Neue Technik ist nicht in Sicht. So geht es den E-Auto-Eigentümern wie dem Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), der auch ein E-Gefährt hat: Die paar Meter vom Ministerium bis zum Bundestag fährt das Auto noch, aber eine Reise nach Hamburg muss Dobrindt wegen zu geringer Reichweite mit der Bahn machen. Benzin- und Dieselfahrer sind besser dran, und deshalb sind auch 43,9 Millionen Autos mit dieser ausgereiften Technik in Deutschland zugelassen.

Trotzdem hält der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, Matthias Wissmann, das Erreichen des Ziels eine Million für möglich. „Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, ist die Million bis 2020 erreichbar“, sagt Wissmann. Wesentlich vorsichtiger ist schon Martin Wietschel vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung, der von Szenarien zwischen 150.000 und einer Million spricht. Ganz klar formuliert Auto-Experte Ferdinand Dudenhöfer von der Universität Duisburg-Essen: „Das Thema ist bei Gesprächen kaum mehr gefragt, der Hype verfliegt – kurzum dem Elektroauto läuft die Zeit weg, und ohne kräftigen Anschub muss man erwarten, dass dem Elektroauto der Strom ausgeht.“ Schon 2015 rechnet Dudenhöfer mit einem Rückgang der Zahlen, weil die Fahrzeuge unrentabel sind. Und für den Leiter des Center of Automotvie Management an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch-Gladbach, Stefan Bratzel, sind Elektroautos „als Zweit- oder Drittfahrzeug etwas für eine bestimmte Nutzergruppe mit viel Geld und einer Garage mit Stromanschluss“.

Die Kfz-Prüforganisation Dekra hat auf ein physikalisches Gesetz aufmerksam gemacht, das das größte Handikap für die Elektroautos darstellt: Mit der Temperatur sinkt die ohnehin nicht besonders große Reichweite. Bei sommerlichen Bedingungen kommen bei einem Citroen C-Zero etwa 56 Prozent des aufgenommenen Stroms als mechanische Antriebsenergie auf der Straße an. Das Szenario betrifft sommerliche Verhältnisse bei 22 Grad. Im Winter (minus fünf Grad) stehen laut Dekra für die Antriebsmechanik noch 22 Prozent der Ladeenergie zur Verfügung. „Dafür ist vor allem die stark reduzierte Speicherkapazität der Batterie bei niedrigen Temperaturen verantwortlich“, schreibt Dekra. Das heißt: Im Winter kommt man mit dem tollen E-Auto nicht mal bis zur Arbeit in der Stadtmitte. Denn der geladene (und bezahlte) Strom ist nach einer kalten Nacht weg.

Auch die von Dobrindt geplante Förderausweitung und die von der EUdSSR beschlossene Vereinheitlichung der Ladestecker werden nichts daran ändern, dass Elektroautos eine Nischentechnologie bleiben. Durch Erbschaft reich gewordene Grüne können damit ihren Nachbarn auf der Fahrt zum Bio-Laden demonstrieren, dass sie richtig viel Kohle haben. Andere Leute brauchen solche Autos nicht.

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