Alle gegen Russland

Da reiben sich die kältesten Krieger die Augen, und Alfred Dregger (wenn er noch leben würde) könnte es vor Glück kaum fassen: Alle sind gegen Russland. Die russische Bedrohung muss ausgemerzt werden; das ganze deutsche Volk steht wie ein Mann. Was würde Franz Josef Strauß dazu sagen, dass die Ostfront diesmal halten wird?

Wie stark der Widerstand ist, zeigt eine Petition mutiger zivilgesellschaftlicher Kräfte. Verlangt wird vom Deutschen Bundestag, daß die beiden Panzer im sowjetischen Ehrenhain im Berliner Tiergarten unweit des Reichstages entfernt werden. „In einer Zeit, in der russische Panzer das freie, demokratische Europa bedrohen, wollen wir keine Russen-Panzer am Brandenburger Tor“, heißt es in der Begründung der von Springers BILD-Zeitung massiv unterstützten beziehungsweise initiierten Petition. Wer das liest, kann im Geiste schon die Motoren dröhnen und die Soldaten-Stiefelabsätze auf der Frankfurter Allee knallen hören.

Man könnte diese Petition als typischen Blödsinn von Springer-Qualitätsjournalisten abtun. Aber die Sache ist von tieferer Bedeutung. Das Ehrenmal muss einem nicht gefallen, aber es dient dem Gedenken an gefallene Soldaten. Und so wie wir nicht wollen, dass die Gräber unserer Soldaten eingeebnet werden, sondern erhalten werden und zum Frieden mahnen sollen, haben auch die Russen einen Anspruch auf Unversehrtheit ihres Ehrenmals. Daß dies willkürlich verändert werden soll, zeigt den mangelnden Respekt der Petenten gegenüber Lebenden und Toten.

Mehr noch: Offenbar hat keiner der Petenten es für nötig erachtet, sich über den Status des Ehrenmals zu informieren. Danach hat sich Deutschland in einem bilateralen Vertrag mit Russland verflichtet, das Ehrenmal zu pflegen und so zu erhalten wie es ist. Nun wissen wir, dass es die Berliner Räuberbande mit internationalen und besonders europäischen Verträgen nicht so genau nimmt, aber dass sie auch (im wahrsten Sinne des Wortes) über Leichen geht, wollen wir noch nicht annehmen.

Man könnte Besseres tun, ohne gleich ganz Russland und seine Menschen, die viele Opfer des Krieges zu beklagen haben, zu brüskieren. Im Reichstagsgebäude ist genug Geschmiere von sowjetischen Soldaten zu sehen, das bei der Renovierung anlässlich des Berlin-Umzuges freigelegt wurde. Nun haben wir uns diese Schmähungen und Obzönitäten lange genug angesehen. Jeder, der die kyrillische Schrift lesen kann, fragt uns Deutsche, warum wir dieses Geschmiere der Nachwelt erhalten. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sollte endlich die Maler kommen lassen. Der Reichstag ist mit sauberen Wänden viel schöner. Kein Russe würde uns diese Putzaktion übel nehmen, im Gegenteil.

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