Der Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung

In Bahnen und auf Bahnhöfen kam es im letzten Jahr zu 14.600 Körperverletzungen, 1.200 Mal wurden Bahnmitarbeiter angegriffen. Diese Zahlen zeigen, dass wir es mit einem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung zu tun haben. Man ist im Bahnhof oder im Zug nicht mehr sicher. Die Konsequenz sind keine Anfragen von Bundestagsabgeordneten, die sich um die Sicherheit ihrer Wähler sorgen. Es gibt auch keine Bundestagsdebatten oder wenigstens eine Sondersitzung des Bundestags-Verkehrsausschusses. Der zuständige Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) versteckt sich hinter seiner dicken Brille. Bahn-Chef Rüdiger Grube sieht nur die Bilanz seiner Aktiengesellschaft. Die wird durch den Tod eines Fahrgastes, der Opfer des pöbelnden Lumpenpacks wird, das in Zügen und auf Bahnsteigen anzutreffen ist, nicht getrübt. Ist es also egal, was mit dem Fahrgast passiert, wenn er sein Ticket gekauft hat?

Nein, Tipps hält die deutsche Qualitätspresse parat. Wir lesen in der Allgemeinen Zeitung in Mainz: Dem „Furchtsamen“ (die schreiben das wirklich!) „hilft auf Dauer einzig und allein zu lernen, sich so zu verhalten, dass er gar nicht erst zum Opfer wird. Die Nähe anderer Fahrgäste suchen, sich auf keine Diskussionen oder gar Streit einlassen. Abstand wahren, wenn nötig das Abteil wechseln oder auch aussteigen. Den Bahnsteig verlassen, auch auf die Gefahr hin, den Zug zu verpassen. Weglaufen, das lehrt die Erfahrung, ist in den allermeisten Fällen möglich – und es ist nicht feige, sondern schlicht und einfach vernünftig.“

Wir fragen uns nun, wie eine alte Frau mit Krückstock, die von „Jugendlichen“ bedrängt wird, weglaufen soll. Wir fragen uns, warum wir wegschauen und nicht helfen sollen, wenn diese alte Frau von „Jugendlichen“ zu Boden gestoßen wird.

Wir fragen uns nicht mehr, warum die Auflagen der deutschen Qualitätspresse ins Bodenlose stürzen, wenn solche Idioten kommentieren dürfen.

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