Zeitungssterben dramatisch

Horst Röper vom Dortmunder FORMATT-Institut ist für die Zeitungsbranche so etwas wie Allensbach mit seinerzeit Elisabeth Noelle-Neumann für die Demoskopie. Röper hat wieder gezählt, und die Ergebnisse des deutschen Qualitätsjournalismus überraschen natürlich nicht. Danach war die Konzentration in der Presse noch nie so hoch wie heute. Im ersten Quartal 2012 haben nach Röpers Berechnungen die Auflagen aller Zeitungen bei 21,355 Millionen gelegen, aktuell seien es noch 19,943 Millionen. Das ist ein Auflagenschwund von 6,6 Prozent in zwei Jahren. In den vergangenen zehn Jahren verlor die Zeitungsbranche in Deutschland knapp ein Viertel ihrer Auflage (damals: 26.284 Millionen). Die Werbeerlöse halbierten sich seit 2000 von 6,5 auf 2,9 Milliarden. Wer jetzt bei der Zeitung ist oder mit ihr zu tun hat, dem kann man nur ein altes indianisches Sprichwort zurufen: Wenn Du merkst, dass Du ein totes Pferd reitest, steige ab.

Röper bedauert, dass in Nordrhein-Westfalen inzwischen rund 45 Prozent der Einwohner keine Auswahl mehr bei den lokalen Nachrichten haben. Damit hat er aber – unbewusst – das eigentliche Problem markiert: In den übrigen 55 Prozent haben die Leser auch keine Wahl mehr, weil die Redakteure überall den gleichen rot-grünen friedens- und umweltbewegten Müll ins Blatt heben. Kein Mensch will das mehr lesen. Daher ist es nur konsequent, dass Neue Rhein-Zeitung (NRZ) und Rheinische Post jetzt ihre Lokalnachrichten in einem Pool zusammenfassen. Wenn zwei Redaktionen immer gleich berichten, kann man sie auch gleich zusammenlegen und die Hälfte der Leute einsparen.

Wolfgang Bok, ehemals Chefredakteur einer regionalen Tageszeitung, hat im Cicero festgestellt: „In den Verlagshäusern und Rundfunkanstalten werden derzeit die Alt- und Jung-68er von der Generation Greenpeace abgelöst. Sie ist mit der ständigen Apokalypse aufgewachsen. Der grüne Alarmismus ist ihnen in Fleisch und Blut übergegangen. Das ist viel schlimmer als eine Gleichschaltung, wie man sie aus autoritären Staaten kennt: Diese Generation, die mittlerweile in vielen Redaktionen das Sagen hat, ist sich ihrer eingeschränkten Wahrnehmung gar nicht mehr bewusst. Sie denken vornehmlich in Freund-Feind-Kategorien und teilt die Welt am liebsten in Gut und Böse ein. Gut ist alles, was den Genderrichtlinien entspricht,mit einem blauen Engel bemäntelt ist, ,mehr soziale Gerechtigkeit’ verheißt und vor allem ,gegen rechts’ klare Kante zeigt.“

Akif Pirincci schreibt in einer bösen Satire, zur Zeitung könne nur, wer an „den Klimaerwärmung-Erneuerbare-Energie-und-Zuwanderer-sind-alle-Herzchirurgen-und-Atomphysiker-Scheiß glaubt. Eine andere Meinung wird nämlich im grün-rot versifften Götterolymp der Publizistik heutzutage nicht mehr akzeptiert. Bei konträren Ansichten dürft Ihr bei denen nicht mal Kaffee kochen, schreibt er über den „Spiegel“.

Das ist der Hauptgrund für das Zeitungssterben – neben technischem Fortschritt (Smartphones) und fortschreitender Analphabetisierung.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Qualitätsjournalismus abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Zeitungssterben dramatisch

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s