CSU: Bärenjäger gesucht

Die Zuschauer des politischen Theaters sind der CSU zu tiefem Dank verpflichtet: Statt politische Hygiene zu demonstrieren und die bayerische Staatskanzleichefin Christine Haderthauer schon vor Monaten rauszuwerfen, wurde die „Modellauto-Affäre“ den ganzen Sommer über auf dem Spielplan gehalten. Haderthauers Verwicklungen waren schließlich auch ein echter Publikumsmagnet.

Jetzt ist Haderthauer weg, und ihr Rücktritt macht den Blick frei auf den eigentlichen Problembären in Bayern: Der heißt Horst Seehofer und ist (noch) Parteivorsitzender und Ministerpräsident. Zum vollständigen Bild gehört die Tatsache, dass die wie Seehofer aus Ingolstadt stammende Haderthauer eine der wenigen CSU-Personen war, die überhaupt noch einen persönlichen Zugang zum meist autistisch regierenden Vorsitzenden und Ministerpräsidenten hatte. Dass sie weg ist, macht Seehofer noch einsamer und unberechenbarer. Er wirkt in der Koalition ohnehin schon ein ausgehungerter Bär vor dem Viehstall.

So wie seine Unberechenbarkeit wächst, sinken Seehofers Einfluss und Akzeptanz in der Berliner Koalition. Wenn es stimmt, dass Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) parallel und ohne Absprache mit dem CSU-geführten Verkehrsministerium an einer allgemeinen Verkehrsabgabe arbeitet (Möglichkeit dazu ist im Grundgesetz vorgesehen!) und damit die CSU-Wahlkampfforderung Ausländermaut ersetzen will, dann demonstriert der Finanzminister der ganzen CSU, dass sie nicht mehr ernst zu nehmen und ihr Vorsitzender ein Schwächling ist.

Diese Auffassung war schon während der Haderthauer-Affäre zu hören. Da hieß es, Seehofer sei zu schwach, um sie rauszuwerfen. Das könnte natürlich sein – es sei denn, das Verhältnis zwischen Seehofer und Haderthauer wäre so eng, dass es seinen Blick auf die Realitäten verstellt hätte. Es wäre nicht das erst Mal, dass Seehofer Probleme im Umgang mit dem anderen Geschlecht gehabt hätte – wie der Fall Anette Fröhlich zeigt.

Wie dem auch sei: Seehofers Laufbahn neigt sich dem Ende zu. Gesucht wird jetzt der Jäger, der dem bayerischen Problembären den Blattschuss gibt.

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Eine Antwort zu CSU: Bärenjäger gesucht

  1. Ernst Frischholz schreibt:

    Christine Haderthauer ist wieder zurück

    http://www.nordbayern.de/region/verleumdungskampagne-haderthauer-kritisiert-medien-1.4038336?searched=true

    http://www.intv.de/mediathek/video/redezeit-vom-26-11-2014/

    http://www.welt.de/regionales/bayern/article134814214/Ein-Ministeramt-ist-wirtschaftlich-nicht-lohnend.html

    http://www.merkur-online.de/aktuelles/politik/haderthauer-untersuchungsausschuss-eingesetzt-meta-4487017.html

    Wer sich das 30-Minuten-Video nicht antun will, ist bzw. wäre mit einer Glosse
    ” Keine Fehler nie nicht ” von Hans Peter Kastenhuber, auf Seite 2 der
    Nürnberger Nachrichten vom 29.11.2014, bestens bedient :

    Keine Fehler nie nicht
    Christine Haderthauer hat nach drei Monaten ihre Medienabstinenz aufgegeben und dem Ingolstädter Lokalfernsehen ein Interview gegeben. Alle, die sich Sorgen gemacht hatten, die CSU-Politikerin könnte nach der Modellauto-Affäre und dem nicht ganz freiwilligen Rücktritt vom Ministeramt persönlich angeschlagen, in Seele und Ego verletzt sein, dürfen aufatmen. Frau Haderthauer ist ganz die Alte.

    Alle „Lügen” und „Verleumdungen” der Medien, versicherte die quietsch-fidele Ex-Staatskanzlei-Chefin, würden in sich zusammenfallen. Sie selbst habe mit der Modellauto-Geschichte ihres Mannes nichts zu tun gehabt. Nur habe das keiner wahrhaben wollen. „Ich bin die Trägerrakete für die Story gewesen.”
    Das sind Sätze voller Kraft und Schönheit. So spricht niemand, den ein schlechtes Gewissen plagt. Weshalb Christine Haderthauer auch auf die Frage, ob sie selbst Fehler gemacht habe, fast schnörkellos sagen kann: „Kein Mensch macht nie Fehler.”
    Es ist allerdings auch die Stelle des Interviews, an der man Haderthauer ihren schleswig-holsteinischen Migrationshintergrund anmerkt. Die kunstvolle multiple Verneinung, die das Bayerische bereithalt, beherrscht die Ex-Ministerin nur im Ansatz. Richtig hätte der Satz lauten müssen: „Kein Mensch nirgendwo macht nie nicht keinen Fehler.” Mit dieser astreinen Klarstellung hätte die Ingolstädterin problemlos auch härteste Kreuzverhöre im bevorstehenden Landtags- Untersuchungsausschuss überstanden, und einem triumphalen Wiedereinzug in die Staatskanzlei wäre nichts im Wege gestanden.
    Obwohl? Christine Haderthauer hat keine Lust mehr auf den mit 12.213,64 Euro plus Zuschläge lausig dotierten Ministerberuf. „Wirtschaftlich ist das nicht lohnend.” Die Frau möchte nicht mehr ausgenutzt werden. Oder wie sie sagen würde: „Ein von Idealismus getragenes Engagement finanzieller Art” wird es nicht mehr geben.

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