Die Todsünde der Kirche

Zu den sieben Todsünden gehört die Habgier. Seit zwei Jahrtausenden warnen die Kirchen die Menschen vor dem Begehen der Todsünden: Hochmut, Geiz (Habgier), Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Faulheit.

Doch während die Kirchenvertreter auf den Splitter im Auge der Menschen hinweisen, sehen sie den Balken im eigenen Auge nicht. Es geht hier um die Kirchensteuer, ein typisches deutsches Alleinstellungsmerkmal, das andere Nationen nicht kennen, wo sich die Vertreter der Kirchen um Spenden der Gläubigen bemühen müssen. Nicht so in Deutschland. Da wird den Gläubigen die Steuer gleich vom Lohn abgezogen. Dass dieser schöne Automatismus bei Kapitaleinkünften wie Zinsen und Dividenden auf Grund einer Regelungslücke nicht funktioniert, war dem deutschen Bodenpersonal vom Lieben Gott schon lange ein Dorn im Auge. Vergesslich, wie die Menschen nun einmal sind, vergaßen sie regelmäßig die Erklärung der Kirchensteuern auf Kapitalerträge.

Anfang 2013 hatten es die evangelischen und katholischen Kirchenvertreter endlich geschafft, den Bundestag zu überzeugen, die Kirchensteuer auf Kapitalerträge nach dem Muster der Kapitalertragsteuer automatisch einziehen zu lassen. Teilnehmer der öffentlichen Anhörung des Bundestags-Finanzausschusses erinnern sich noch heute, wie den Abgesandten der beiden Kirchen in Erwartung der Mehreinnahmen in dreistelliger Millionenhöhe beinahe der Speichel aus den Mundwinkeln tropfte – sichtbarer Ausdruck der Habgier.

Dabei befinden sich die Einnahmen der beiden Kirchen auf Rekordniveau. 4,8 Milliarden Euro nahm die evangelische Kirche im Jahr 2013 aus Steuern ein, 5,4 Milliarden die katholische Kirche. Nachdem die Banken ihre Kunden auf den ab 2015 einsetzenden automatischen Abzug der Kirchensteuer von Zinsen und Dividenden hinwiesen, kam es zu Massenaustritten aus den Kirchen. Es wird angenommen, dass die Austrittszahl 2014 um 50 Prozent höher liegen wird als 2013.

Für die Kirchen war die Erwartung von Mehreinnahmen angeblich kein Grund, den Bundestag zur Gesetzesänderung zu drängen, obwohl Teilnehmer der öffentlichen Anhörung des Finanzausschusses das ganz anders in Erinnerung haben und den Vergleich zu Wegelagerern ziehen. Der für Finanzfragen zuständige EKD-Oberkirchenrat Thomas Begrich behauptete in der FAZ vom 8.8.2014: „Wir machen das nicht wegen der erwarteten Mehreinnahmen.“

Begrich sollte sich an das Alte Testament erinnern. Dorth heißt es in den Zehn Geboten: „Du sollst nicht lügen.“

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Finanzpolitik, Pfaffen abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s