taz verhängt Sippenhaft

Nach dem sensationellen Erfolg der Alternative für Deutschland (AfD) bei den beiden Landtagswahlen in Thüringen und Brandenburg hat es nicht eine Woche gedauert, bis der politisch-mediale Komplex ganz tief ins Waffenarsenal griff und in übelster Weise gegen die „braune Suppe“ (SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi) loszog. Da offensichtlich Argumente fehlen, griff die taz zu dem schon in der DDR sehr beliebten Mittel der Sippenhaft. Dem taz-Qualitätsjournalisten Jens Twiehaus missfällt, dass Alexander Gauland, der Spitzenkandidat der AfD in Brandenburg, eine Lebensgefährtin hat, die ausgerechnet Journalistin ist und dann noch bei der im Land Brandenburg ansässigen Potsdamer „Märkischen Allgemeinen Zeitung“ als Lokalredakteurin arbeitet. Dort schreibt sie über Lokalpolitik, und nebenbei hilft sie Gauland wohl noch bei dessen Arbeit.

Und jetzt stößt diesem journalistischen Vollpfosten Twiehaus besonders übel auf, dass Carola Hein (so heißt die Lebensgefährtin) ein Porträt über die CDU-Landtagskandidatin Saskia Ludwig geschrieben hat. Wir lesen in dem Blatt, welch schrecklichen Dinge Hein nach dem Schreiben dieses Porträts tat: „Und dann fuhr sie abends nach Hause in die Berliner Vorstadt von Potsdam, um dort AfD-E-Mails für ihren Lebensgefährten Alexander Gauland zu tippen.“ Der Chefredakteur der Zeitung halte das Porträt über Saskia Ludwig für in Ordnung. Doch darum geht es der taz gar nicht: „Mindestens problematisch ist, dass die MAZ von Heins privater Verbindung zur AfD weiß, aber sie nicht konsequent aus der politischen Berichterstattung heraushält.“ Daher verlangt die taz einen Maulkorb: Carola Hein dürfe keine politischen Artikel mehr schreiben. Denn sonst könnte so was wie das Porträt über Ludwig „erneut passieren“. Das ist nichts anderes als die Forderung nach einem Berufsverbot, gegen das ganze Generationen von Linken gekämpft haben, dass aber linke Vollpfosten wie Twiehaus sofort gegen Andersdenkende verhängen wollen.

Wenn sich aber auf der linken Seite des Spektrums Journalisten und Politiker in die Arme fallen, dann ist die rot-grün-dunkelrote Inquisition voll der Gnade. So ist nicht bekannt, dass irgendjemand daran Anstoß nahm, dass die Grünen-Politikerin Kerstin Müller mit dem Journalisten Klaus Schrotthofer verbandelt ist. Schrotthofer war bei „Focus“, war Sprecher des Bundespräsidialamtes unter Bundespräsident Johannes Rau, wirtschaftete als Chefredakteur die „Westfälische Rundschau“ herunter und darf dieses Werk jetzt bei der „Neuen Westfälischen“ in Bielefeld (NRW) fortsetzen. Schrotthofer stammt aus Neuburg an der Donau. Von dort kommt übrigens auch Doris Schröder-Köpf. Die einstige Focus- und Express-Journalistin ehelichte niemanden anders als den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Dessen grüner Außenminister Joschka Fischer führt in der langen Liste seiner Ehen gleich zwei Journalistinnen auf: Claudia Bohn und Nikola Leske.

Und niemand nahm Anstoß daran, dass Bundespräsident Joachim Gauck, obwohl noch verheiratet, seit vielen Jahren mit der Journalistin Daniela Schadt zusammenlebt. Schadt ist Leitende Politik-Redakteurin bei den „Nürnberger Nachrichten“, wo niemand auf den Gedanken kam, sie ins Ressort „Vermischtes“ zu versetzen. Ein Fall mit besonderem Geschmäckle ist auch die Ehe des früheren Grünen-Ministers in Nordrhein-Westfalen und heutigen Generaldirektors des Olympischen Sportbundes, Michael Vesper, mit Ferdos Forudastan. Die Journalistin war bei der taz und der „Frankfurter Rundschau“. Vesper und Forudastan sind Aktivisten für Vielfalt und Toleranz und kämpfen mit allen Kräften gegen rechts: Als herauskam, dass die Schwimmerin Nadja Drygulla einen Freund mit NPD-Vergangenheit hatte, begrüßte Vesper die durch den Druck der Zivilgesellschaft erzwungene Abreise der Sportlerin von den Olympischen Spielen in London. Sippenhaft ist also nicht ein auf die taz beschränktes Phänomen in diesen Gutmenschen-Kreisen.

Der heutige FDP-Vorsitzende Christian Lindner hat sein Privatleben auch mit dem Journalismus verbunden. Er heiratete die Zeit-Journalistin Dagmar Rosenfeld. Der Journalist Ralph Niemeyer war mit der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht verheiratet, ehe Oskar Lafontaine Wagenknecht übernahm. Ein fast tragischer Fall ist die ehemalige Kieler Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke, die von der „Zeit“ kommt und mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Bartels verheiratet ist. Sie musste ihr Oberbürgermeister-Amt räumen, nachdem sie einem Millionär 3,7 Millionen Euro Steuern erlassen hatte.

Die Süddeutsche Zeitung hatte kein Problem damit, dass ihr Berliner Korrespondent Nico Fried die damalige SPD-Bundestagsabgeordnete Nina Hauer ehelichte. Ohne Bedenken und vor allem ohne Selbstkritik konnte Fried seiner Aufgabe weiter nachgehen, die in erster Linie darin bestand, über die SPD zu berichten. In einem im Internet verfügbaren Porträt über die Politikerin Hauer singt ein Qualitätsjournalist namens Dennis Pfeiffer-Goldmann geradezu Lobeshymnen über diese journalistisch-politische Verquickung, die hilft, Terminstress und doppelte Haushaltsführung zu stemmen: „Allein ist das kaum zu schaffen, sagt Hauer. Aber gemeinsam mit ihrem Nico, der als Journalist für eine große deutsche Tageszeitung in Berlin arbeitet.“ Es ist ja so schön und so solidarisch, dieses süße linke Leben, wo man Tisch, Bett und auch berufliche Kenntnisse problemlos teilen kann. Auf die Frage, ob hier Interessenkonflikte vorliegen und die Unabhängigkeit der Presse auf dem Spiel stehen könnte, ging bisher niemand ein.

Jetzt aber doch. taz-Qualitätsjournalist Twiehaus hat beim Deutschen Presserat nachgefragt und erfahren, dass die Verquickung von Journalismus und Politik mindestens eine „Gratwanderung“ ist. Aha. Ziffer sechs des Presskodex, berichtet die taz, „schreibt die Trennung von politischen Funktionen und journalistischen Tätigkeiten vor“. Die taz zitiert Presserats-Referantin Edda Eick zur Causa Hein: „Die Zeitung hätte sie aus der politischen Berichterstattung heraushalten müssen.“ Warum das nur für bürgerliche Journalisten gilt und für die anderen nicht, sagt uns die taz leider nicht. Es ist wohl so, wie der britische Schriftsteller George Orwell in „Animal Farm“ schreibt: „Alle Schweine sind gleich, aber einige Schweine sind gleicher als die anderen.“

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