Qualitätspresse baut immer stärker ab

Niedergang wohin man blickt. Deutsche und ausländische Qualitätsmedien streichen Arbeitsplätze, weil Leser in Scharen davonlaufen und die Anzeigenkunden schon lange weg sind. Die technische Revolution durch Smartphones und Internet frisst die Technik von gestern. Ein paar Nachrichten der aus jüngsten Zeit – ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) will 150 bis 200 von 900 Stellen in Verlag und Redaktion streichen. Rund ein Fünftel der wegfallenden Jobs soll Journalisten betreffen. Die „FAZ“ machte in den letzten beiden Jahren hohe Verluste, die Auflage auch der Sonntagszeitung sinkt. Es fragt sich, wie lange sich der Verlag die Subventionierung des geschluckten einstigen Wettbewerbers „Frankfurter Rundschau“ noch leisten kann.

Das CSU-Parteiorgan „Bayernkurier“ erlebt jetzt das, was die SPD-Presse („Vorwärts“) schon hinter sich hat: den Tod auf Raten. Von Wochenblatt wird auf monatliches Erscheinen umgestellt. Eine Million Euro Kosten für banale Inhalte, die man an zuletzt nur noch 50.000 Bezieher (früher mal 200.000) lieferte, waren dann doch zu hohe Kosten. Der Bayernkurier soll stärker online arbeiten. Das Problem ist, dass die überwiegend zur Vorruhestands-Generation gehörenden CSU-Mitglieder meistens offline sind.

Beim „Darmstädter Echo“ fallen mehr als die Hälfte der 300 Vollzeitstellen weg. Die überregionalen Seiten werden nicht mehr selbst produziert, sondern kommen von der „Allgemeinen Zeitung Mainz“. Sogar das Verlagsgebäude in Darmstadt muss verkauft werden.

In Frankreich streicht die Zeitung „Libération“ streicht 93 von 250 Stellen, von 180 Journalisten sollen zunächst nur 130 übrig bleiben. Nächstes Jahr soll die Tageszeitung aus Kostengründen die noble Pariser Innenstadt verlassen und in einen Vorort ziehen.

In Österreich steht „Der Standard“ steht wegen schlecht laufender Geschäfte vor einem Sparprogramm. Ältere Mitarbeiter sollen sozialverträglich gehen, andere müssen Gehaltseinbußen von einem Viertel rechnen.

Vor einiger Zeit hatte schon Gruner + Jahr (u.a. „stern“) seinen größten Stellenabbau seit Jahren angekündigt. Die Tochterfirma des Medienkonzerns Bertelsmann will bis zu 400 der 2.400 Arbeitsplätze streichen. Die Familie Jahr will sich aus dem Unternehmen zurückziehen, so dass die Neokapitalisten von Bertelsmann jetzt freie Bahn haben werden, in den Redaktionen auszusieben und an die Stelle ergrauter, ideologisch verbledendeter und sehr teurer Redakteure ahnungs- und – wichtiger – willenlose Praktikanten und Inhaber von Sechsmonatsverträgen zu setzen.

Aber nicht jeder aufgeklärte Mensch freut sich über den Niedergang der Indoktrinatoren. Eine Stimme aus dem Internet: „Ich gebe der gedruckten Tageszeitung keine 20 Jahre mehr. Was aber auch wieder schade wäre, denn in was sonst kann man seinen Bioabfall einpacken?“

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