E-Auto Ikone Tesla rollt ohne Daimler

Ein Elektroauto von Tesla – das ist der Traum der grünen Bourgeoisie, dessen Erfüllung sich aber nur wenige reiche Erben leisten können. Mit einem normalen Studienrats-Gehalt ist die Anschaffung eines amerikanischen Elektroautos nicht drin. Tesla ist trotz niedriger Stückzahlen, die in umgekehrt proportionalem Verhältnis zu den vollmundigen Ankündigungen des Herstellers und dem Aktienkurs stehen, zu einer Ikone der Energiewendebewegung geworden.

Wie ein Schock wirkte da die am 22. Oktober 2014 verbreitete Nachricht, der deutsche Daimler-Konzern trenne sich von seinen Tesla-Aktien und kassiere über 600 Millionen Euro für seine Anteile an dem am meisten überbewerteten Autobauer der Welt. Daimler habe doch Tesla von der Start up-Phase als Investor begleitet, jammerte die staatsnahe Nachrichtenagentur adn dpa und meldete weiter, es werde aber alles nicht so schlimm: „Die Zusammenarbeit soll aber fortgesetzt werden.“ Wenig später kündigte auch der japanische Konzern Toyota den Verkauf seiner Tesla-Anteile an.

Der Daimler-Ausstieg aus dem Tesla-Eigentümerkreis, dem die Aufkündigung der Zusammenarbeit so sicher folgen wird wie das Amen in der Kirche, erinnert an die ehrgeizigen Ziele der Bundesregierung: Eine Million E-Autos sollen bis 2020 auf deutschen Straßen unterwegs sein. Man ahnt schon beim Blick auf die Zulassungszahlen, dass nichts daraus werden kann. 2013 gab es 7.114 E-Autos in Deutschland, zum 1. Januar 2014 waren es immerhin 12.158. Selbst wenn sich diese Zahl Jahr für Jahr verdoppeln und kein E-Auto in Deutschland jemals kaputtgehen oder verunfallen würde, wären es 2020 keine Million. Es wird auch nie eine Million werden, weil die Fahrzeuge zu teuer und die Reichweiten zu kurz sind. Neue Technik ist nicht in Sicht. So geht es den E-Auto-Eigentümern wie dem Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), der auch ein E-Gefährt hat: Die paar Meter vom Ministerium bis zum Bundestag fährt das Auto noch, aber eine Reise nach Hamburg muss Dobrindt wegen zu geringer Reichweite mit der Bahn machen. Benzin- und Dieselfahrer sind besser dran, und deshalb sind auch 43,9 Millionen Autos mit dieser ausgereiften Technik in Deutschland zugelassen.

Experten wie Martin Wietschel vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung raten schon seit langem, die Prognosen der Regierung mit Vorsicht zu genießen. Wietschel spricht von Szenarien zwischen 150.000 und einer Million. Ganz klar formuliert Auto-Experte Ferdinand Dudenhöfer von der Universität Duisburg-Essen: “Das Thema ist bei Gesprächen kaum mehr gefragt, der Hype verfliegt – kurzum dem Elektroauto läuft die Zeit weg, und ohne kräftigen Anschub muss man erwarten, dass dem Elektroauto der Strom ausgeht.” Schon 2015 rechnet Dudenhöfer mit einem Rückgang der Zahlen, weil die Fahrzeuge unrentabel sind. Und für den Leiter des Center of Automotvie Management an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch-Gladbach, Stefan Bratzel, sind Elektroautos “als Zweit- oder Drittfahrzeug etwas für eine bestimmte Nutzergruppe mit viel Geld und einer Garage mit Stromanschluss”. Das ist die gut betuchte Grünwählerschaft in München-Grünwald, im Berliner Grunewald, in Tübingen und in der Stuttgarter Villenvierteln. Die reichen Erben haben neben dem Porsche natürlich auch einen Tesla in der Mehrfach-Garage.

Solche Leute stören sich nicht an physikalischen Gesetzen, die das das größte Handikap für die Elektroautos darstellen: Die Kfz-Prüforganisation Dekra weist darauf hin, dass mit der Temperatur auch die ohnehin nicht besonders große Reichweite der Elektroautos sinkt. Bei sommerlichen Bedingungen kommen bei einem Citroen C-Zero etwa 56 Prozent des aufgenommenen Stroms als mechanische Antriebsenergie auf der Straße an. Das Szenario betrifft sommerliche Verhältnisse bei 22 Grad. Im Winter (minus fünf Grad) stehen laut Dekra für die Antriebsmechanik noch 22 Prozent der Ladeenergie zur Verfügung. “Dafür ist vor allem die stark reduzierte Speicherkapazität der Batterie bei niedrigen Temperaturen verantwortlich”, schreibt Dekra. Das heißt: Im Winter kommt man mit dem tollen E-Auto nicht mal bis zur Arbeit in der Stadtmitte. Denn der geladene (und bezahlte) Strom ist nach einer kalten Nacht weg. In einer kalten Nacht löst sich der vorher in die Batterie eingespeiste Strom weitgehend in Nichts auf. Da hilft es auch nichts, wenn zum Beispiel Ladestationen von RWE „eichrechtskonform“ sind, wenn der Strom unmitelbar danach weg ist.

Daher werden auch die von Dobrindt geplante Förderausweitung und die von der EUdSSR beschlossene Vereinheitlichung der Ladestecker nichts daran ändern, dass Elektroautos eine Nischentechnologie bleiben. Daimler-Chef Dieter Zetsche ist ein Mann mit feinem Gespür für Entwicklungen. Die Aktien des Stuttgarter Autobauers sollten auf jeder Kaufliste stehen.

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