Problem gelöst: Kalte Progresssion gibt es nicht

Im Berliner Finanzministerium wird gar nicht verstanden, was die Leute für ein Problem mit Steuern und Abgaben haben und warum renitente Organisationen wie SPD, DGB, CSU und wahrscheinlich demnächst noch die PEGIDA Maßnahmen gegen die kalte Progression bei der Einkommensteuer fordern. Denn: Es gibt keine kalte Progression, heißt es in einem an das Qualitätsblatt „Süddeutsche Zeitung“ (12. Dezember 2014) durchgestochenen Bericht des Bundesfinanzministeriums. Die Kombination aus geringer Inflation und Erhöhung des steuerlichen Grundfreibetrages Anfang 2014 führe dazu, „dass in diesem Jahr voraussichtlich keine kalte Progression entstehen wird“, berichtet die Zeitung.

Recherchieren ist heute nicht mehr Sache der Qualitätsmedien. Echte Qualitätsjournalisten lassen sich die Anweisungen von Bundespresseamt oder Ministerium in den Laptop notieren bzw. bekommen die Wegweisung per Mail oder Twitter gleich direkt auf den Rechner und müssen den Text nur noch umheben, den Vorspann umschreiben, den eigenen Namen darüber setzen, und fertig ist die Exklusivgeschichte.

Wenigsten googlen hätten die SZ-Qualitätsjournalisten Guido Bohsem und Claus Hulverscheidt doch können. Dann wären sie zum Beispiel auf das Herbstgutachten des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung gestoßen. Die Gutachter schreiben, dass die kalte Progression den Leuten Jahr für Jahr 2,5 Milliarden Euro aus der Tasche zieht und dem Staat entsprechende Mehreinnahmen beschert. „Da die kalte Progression die reale Steuerbelastung stetig erhöht, steigt die Steuerquote, die mittlerweile auf einem der höchsten Niveaus der vergangenen drei Jahrzehnte liegt“, so die Gutachter, von denen man annehmen darf, dass sie nicht völlig bekloppt sind, während wir da bei der Redaktion der süddeutschen Qualitätszeitung nicht mehr so sicher sind.

Es hätte sich für die Qualitätsjournalisten Guido Bohsem und Claus Hulverscheidt (beide sind übrigens Mitglieder der sich besonders elitär gebenden Bundespressekonferenz) angeboten, beim Bund der Steuerzahler anzurufen. Die sollen sich mit Steuern auskennen. Wäre nur ein Ortsgespräch gewesen. Dort hätten sie erfahren können, dass die Verbraucherpreise seit 2010 um sieben Prozent gestiegen sind, was durch Lohnerhöhungen zumeist ausgeglichen worden sein dürfte. Der Steuertarif blieb in diesem Zeitraum abgesehen von zwei kleinen Korrekturen am Grundfreibetrag unverändert. Für die Steuerzahler heißt das, dass sie Jahr für Jahr mit steigenden Durchschnittssteuersätzen belegt wurden. „Die kalte Progression hat die Steuerzahler im Zeitraum 2011 bis 2014 rund 25 Milliarden Euro gekostet“, bilanziert der Bund der Steuerzahler.

Oder diee Qualitätsjournalisten Guido Bohsem und Claus Hulverscheidt hätten einfach mal einen Nachbarn gefragt. Unser Nachbar bekam 100 Euro mehr vom Chef. Übrig blieben netto 43,20 Euro.

Es gibt in der Tat keine kalte Progression, sondern das ist staatlicher Raub.

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