Finanzkrise reloaded: Bausparkassen kippen

Aller Gesundbeterei zum Trotz kommt die Finanzkrise zurück. Gerade kippen die Bausparkassen, denen ihr festes Zinssystem zum Verhängnis wird. Sie können die Verträge, in denen feste Zinsen auf Guthaben bis zu 3,5 Prozent zugesichert werden, nicht mehr zahlen.

Folglich kündigen sie den Sparern einfach die Verträge, um sich aus der Verpflichtung, hohe Zinsen zahlen zu müssen, herauszustehlen. Aber wehe, ein Kreditnehmer will vorzeitig seine Schulden bezahlen. Dann kassieren die Bankster Vorfälligkeitsentschädigungen, falls sie sich überhaupt auf vorzeitige Tilgungen einlassen.

Einzelfälle sind die Kündigungen nicht: Schon im Jahr 2013 kündigte die LBS Münster 8.000 gut verzinste Verträge, im Jahr 2014 sind es 12.000. Die Bausparkasse Wüstenrot kündigte 15.000 Verträge, die LBS Bayern 26.000. Keiner der Berliner Finanzpolitiker, die sonst predigen, kein Bereich des Finanzmarktes werde unreguliert bleiben, rührte auch nur eine Hand, als die Branche zehntausende treuer Kunden einfach rauswarf. Es gab keine Bundestagsdebatte, keine Anträge und keine Ausschusssitzungen zu dem Thema. Die Bundesregierung schwieg statt den betrogenen Sparern beizuspringen und ihnen die Zinsen zu garantieren. Denn schließlich sind die niedrigen Zinsen Folge der alternativlosen Euro-Rettungspolitik.

Dabei hätte Berlin gewarnt sein und rechtzeitig Maßnahmen zum Schutz der Bausparkunden vorbereiten können: Schon Mitte 2014 berichtete der Ausschuss für Finanzstabilität in seinem Jahresbericht (Bundestagsdrucksache 18/1795), bei einer länger anhaltenden Niedrigzinsphase würden Bausparkassen „dauerhaft erheblichen Ertragsrisken“ ausgesetzt sein. Übersetzt aus dem Politiker-Bankster-Quacksalber-Deutsch heißt das: Die Bausparkassen rasen auf den Abgrund zu, und das Tempo steigt.

Erst jetzt wird die Regierung tätig, aber nicht etwa zum Schutz der Sparer, die im Rettungs-Europa ohnehin Freiwild sind. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ist nach einem Bericht des Handelsblatts im Bundesfinanzministerium vorstellig geworden, um eine Gesetzesänderung auf den Weg zu bringen, die die Kündigung von Bausparverträgen durch die Bausparkassen erleichtern soll.

Das wäre Betrug der Kunden mit Staatsunterstützung. In diesem Land stehen die Dinge auf dem Kopf: Der Staat sollte seine Bürger schützen. Statt dessen beteiligt er sich am Betrug und an der Ausplünderung seiner Untertanen. Denn Bürger mit Rechten waren sie gestern.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Finanzpolitik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s