Griechen leihen sich jetzt selber Geld

Das Ei des Kolumbus hat – wie sollte es anders sein – Mario Draghi gefunden. Europas oberster Geldfälscher und Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) will gar keine Staatsanleihen direkt über seine EZB erwerben. Das soll jede nationale Zentralbank selbst machen. Also die Deutsche Bundesbank kauft deutsche Staatsanleihen (was angesichts des Ansturms auf diese Papiere derzeit unwahrscheinlich ist). Und die griechische Notenbank kauft griechische Staatsanleihen. Das ist so genial, dass man staunt, warum die Europäer da nicht schon früher drauf gekommen sind. Man hätte sich alle Rettungsschirme sparen können.

Im Fall Griechenlands geht das dann so: Immer wenn der Finanzminister in Athen kein Geld mehr hat, gibt er Staatsanleihen heraus, die die Notenbank in Athen sofort kauft. Die macht ein gutes Geschäft, weil der Finanzminister zehn Prozent Zinsen auf die Papiere zahlt. Sobald die Zinsen fällig sind, gibt der Finanzminister wieder Staatsanleihen heraus, die die Notenbank in Athen sofort kauft. Und die damit wieder ein großes Geschäft macht wegen der hohen Zinsen, die ihr der Finanzminister zahlt. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie heute noch…

Übersetzt für Laien heißt das: Jeder darf ab sofort seine Geldscheine kopieren und mit den Kopien beim Aldi, Lidl und in der Kneipe bezahlen. Man muss wohl kein Volkswirt sein, um zu wissen, dass dieses System keine drei Tage funktionieren würde.

Im Fall Europas will Draghi den auf einen stabilen Euro erpichten Deutschen zusichern, dass sie für die in Südeuropa bevorstehenden Notenbank-Operationen nicht mithaften müssen. Na ja, jedenfalls nicht so ganz. An etwa 50 Prozent Mithaftung ist schon gedacht, wahrscheinlich gut versteckt in unverständlichen Paragrafen. Und wenn es dann nicht reicht, wird die Haftung auf 100 Prozent erhöht, und der deutsche Blödmichel kann voll zahlen. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker („Wenn es ernst wird, muss man lügen“), hat das Prinzip von Draghi und anderen schon 1999 treffend erläutert: „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter.“

Nur der Markt ist unerbittlich. Der Euro hat im Verhältnis zum US-Dollar seit Jahresanfang 2015 19,6 Prozent verloren, gegenüber dem Won (Südkorea) 16,5 Prozent und gegenüber dem australischen Dollar 9,8 Prozent. Der Schweizer Franken steht inzwischen fast 1:1 zum Euro (Abwertung des Euro zum SFR seit Jahresanfang 24,4 Prozent). Der besonders heftige Kursverfall gegenüber dem Schweizer Franken führte aber außerhalb eingeweihter Kreise nicht zu einer Debatte, weil die Systempresse fast überall so tat, als seien die Schweizer schuld: „Schlagartig ist der Franken ein Fünftel teurer geworden“, schrieb etwa die staatsnahe Nachrichtenagentur adn dpa. Umgekehrt ist es natürlich richtig: Der Euro hat nach Freigabe des Wechselkurses drastisch nachgegeben.

Das hat mit den Folgen von Draghis Euro-Rettungsaktionen zu tun: Der Wert der Währung sinkt, weil sie Vertrauen verliert, und Anleger keine große Zukunft im Euro mehr sehen. Der Dollar gilt als weniger schwindsüchtig, die Zinsen sind in USA höher. „Die Schweiz koppelt sich schon mal ab“, erkannte der Berliner Tagesspiegel ganz richtig.

Der schwache Euro macht Europa bequem und müde: Siesta statt Werkshalle, beim Italiener sitzen statt im Büro arbeiten. Die Aufwertung einer Währung (wie früher bei der Deutschen Mark) ist wie eine „Produktivitätspeitsche“, stellte Holger Steltzner in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) am 17. Januar 2015 fest. Ständiger Wertverfall der Währung und hohe Inflation haben noch jedem Land Nachteile und Armut gebracht. „Der Euro wird noch weicher“, bilanziert Steltzner. Und damit ist klar, dass Deutschland, das mit eigener Währung so stark und wohlhabend wie die Schweiz wäre, auf dem Weg in die Armut ist.

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