Das System redet über – nicht mit dem Volk

Es war ein so schöner Abend am 20. Januar 2015 in der Dresdner Frauenkirche. Von Vertrauen in Politik und Medien war viel die Rede, von einer offenen und toleranten Gesellschaft, und es wird wird sofort klar, dass Blockparteien und Qualitätsmedien sich hier einen heimeligen Abend unter der Fragestellung „Was will das Volk?“ gestalteten. An einer Antwort auf die Frage waren die Diskutanten gar nicht interessiert. Man talkte lieber miteinander über die da draußen, deren angebliche Ausländerfeindlichkeit und Islamophobie. „Ich glaube an die Kraft der Debatte und Aufklärung“, erklärte Bundesinnenminister Thomas die Misere de Maiziere (CDU) nach einem Bericht der staatsnahen Nachrichtenagentur adn dpa, verfasst von einer völlig begeisterten Simona Block. Die Runde, zu der auch der Politikwissenschaftler Hans Vorländer und die Chefredakteurin des Qualitätsblattes Frankfurter Rundschau, Bascha Mika, sowie der evangelische Landesbischof Jochen Bohl gehörten, schwadronierte über eine angebliche Vertrauenskrise, und die Misere de Maiziere stellte unumwunden fest, dass „Demokratie auch für Bürger anstrengend“ ist. Das ist klar, denn die müssen zur Demonstration laufen und können nicht mit dem Dienstwagen am Brandenburger Tor zur Staatsdemo vorfahren wie de Maiziere und andere. Pfaffen wie Bohl standen immer treu zu jedem System: Erst segneten sie Kaisers Soldaten, dann waren sie Hitlers „Deutsche Christen“. Später traten sie als „Kirche im Sozialismus“ auf, heute sind sie Teil der Zivilgesellschaft. Und immer wenn ein System schlapp machte, waren sie selbstverständlich im Widerstand gewesen. Fazit: Hier saßen Auslaufmodelle auf dem Podium. Mit denen ist kein Staat mehr zu machen.

Der Bundespfaffe war in Dresden nicht dabei. Bundespräsident Joachim Gauck machte seine eigene Veranstaltung im Schloss Bellevue in Berlin. Normale Bürger waren nicht dabei, Pegida-Demonstranten schon gar nicht. Es waren dieselben Typen, die im Fernsehen immer gegen Gefahren von rechts warnen, etwa der “Rechtsxtremismus-Fachmann“ Olaf Sundermeyer, der vom Kampf gegen rechts prima lebt. Gaucks Kaffeekränzchen heißt „ZusammenHALTen – gegen Gewalt, für Dialog“. Spiegel online lobdudelt wie weiland das Neue Deutschland: „Gauck macht sich Notizen. Er will heute heute vor allem zuhören und lernen.“ Mit Demonstrantren spricht Gauck nicht. Er fährt auch nicht nach Dresden oder Leipzig. Der politisch-mediale Komplex bleibt lieber unter sich und jammert über das Volk, das die Fürsorge der Regierenden nicht zu schätzen weiß.

In Leipzig gab es tatsächlich einen Dialog mit dem Volk. dpa-Qualitätsjournalist Jörg Aberger befand, „mehrheitlich ältere Männer“ hätten ihre „Verbitterung“ vorgetragen, „offenbar aufgestaut seit der Wiedervereinigung Deutschlands“. Die „mehrheitlich älteren Männer“ haben mit Sicherheit mehr Lebenserfahrung als das qualitätsjournalistische Greenhorn Aberger von dpa. Sie wissen, warum sie auf die Straße gehen: Weil das System an die Wand fahren wird.

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