Glanz und Elend der Rheinischen Post

Wer sich die „Rheinische Post“ (Düsseldorf) im Internet anschaut, wird ein Filmchen über den neuen „Newsroom“ sehen können. So ein Schwatzzimmer haben inzwischen fast alle deutschen Zeitungen eingerichtet, weil die Verleger meinen, dass die Redakteure die besten Texte produzieren, wenn sie möglichst eng beieinander sitzen. Schließlich legen die Hühner in Legebattieren ja auch viele Eier.

Was bei der linksgrüngenderversifften deutschen Qualitätspresse noch rauskommt, wird an einem Beispiel der Rheinischen Post deutlich, wo angesichts der Wahlniederlage der demokratischen Partei des amerikanischen Präsidenten Barack Obama zu lesen war: „Mit dem Sieg der Republikaner hat auch die Bankenlobby in den USA gewonnen. Eine überfällige internationale Regulierung der Schattenbanken ist damit obsolet geworden. Die Klimaschützer wurden ebenfalls abgewählt. Die Öl-, Kohle- und Gaskonzerne sind wieder auf dem Vormarsch und haben im US-Senat nun neue Repräsentanten. Dass der weltweite Kampf gegen Terror ohne massive Datenspionage durch US-Behörden und ohne Foltermethoden zu gewinnen ist, sehen die Republikaner ebenfalls anders. Und das für Deutschlands künftigen Wohlstand so wichtige Freihandelsabkommen halten die Republikaner für ein Arbeitsplatzvernichtungsabkommen mit der Alten Welt. Obama mag zu viel versprochen und zu wenig gehalten haben. Für uns Europäer war er trotzdem die bessere Wahl.“

Hier hat ein deutscher Qualitätsjournalist aber auch gar nichts von Amerika und den Vereinigten Staaten begriffen, sondern nur Überschriften aus Attack-Broschüren, Greenpeace-Magazinen und der taz aneinandergehängt. Kein Wort wird verloren über Obamas Drohneneinsätze, durch die (Stand Ende November 2014) 1.147 friedliebende Moslems ihr Leben verloren haben. War es nicht Obama, der das Gefangenenlager Guantanamo schließen wollte, das aber bis heute existiert? Und war es nicht Obama, der deutsche Handys anzapfen ließ?

Bei solchen Redaktionsdumpfbacken hilft auch kein Quatschbüro, in dem diese Nichtswisser und Nichtskönner auf kleinstem Raum eingesperrt werden. Die Leser sind – wie bei anderen Qualitätsblättern – schon längst auf der Flucht. Der Absturz vom früheren liberal-konservativen RP-Chefredakteur Joachim Sobatta, einem Mann mit Haltung, bis zum Schreiberling des Obama-Kommentars war sehr tief. Zahlen machen das deutlich: Hatte die Rheinische Post 2004 noch eine verkaufte Auflage von 400.346, so sind es jetzt noch 318.048. Also sank die Auflage in zehn Jahren um rund ein Fünftel. Bis das nächste Fünftel weg ist, wird es keine zehn Jahre mehr dauern.

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