Qualitätspresse säuft weiter ab

Die Bild-Zeitung hat bei ihrer Auflagenentwicklung fest die zwei Millionen-Grenze im Blick – von oben kommend. Aber nicht nur für Bild war die im Januar 2015 veröffentlichte Auflagenstatistik der reinste Horror, sondern auch für den Rest der deutschen Qualitätstitel ging es steil abwärts. Wer sich überhaupt halten konnten, waren regionale Tageszeitungen. Aber auch hier gibt es Unterschiede.

Springers Bild verkaufte 2003 noch über vier Millionen Exemplare. Heute sind es nicht einmal mehr 2,1 Millionen. 200.000 Kunden gingen im vierten Quartal 2014 im Vergleich zum vierten Quartal 2013 verloren. Im Vergleich zum Vorjahresquartal büßte die Bild-Zeitung neun Prozent ihrer verkauften Auflage ein, kann man bei der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (ivw) nachlesen. Es ist natürlich klar, dass bei den Zahlen genauso manipuliert wird wie beim Inhalt, aber die groben Trends sind jedenfalls richtig.

Der Grund steht bei ivw nicht dabei, aber ganz klar dürfte der Vertrauensverlust des Publikums in das von den deutschen Zeitungsverlegern gedruckte Wort eine Rolle spielen. Im Edelman Trust Barometer heißt es dazu: „Traditionelle Medien wie Zeitungen und Zeitschriften sowie Fernseh- und Rundfunksender halten in Deutschland nur noch 66 Prozent der Befragten für glaubwürdig – neun Prozent weniger als noch im Jahr zuvor.“

Neben Bild erwischte es auch den Schwestertitel Bild am Sonntag mit neun Prozent Auflagenverlust knallhart. Bild am Sonntag verlor 100.000 Kunden und dürfte bald unter die eine Million fallen. Gerechnet nach Abonnements und Einzelverkauf ging es auch für alle anderen Qualitätszeitungen steil nach unten. Süddeutsche Zeitung (-5,4), Frankfurter Allgemeine Zeitung (-5,1), Die Welt (-11,1) und taz (-7,3 Prozent). Nur das Handelsblatt kam auf ein kleines Plus von 1.000 Stück, wobei man sich fragt, wie diese tendenziell wirtschaftsfeindliche Zeitung das hinbekommen haben soll. In der Summe haben die deutschen überregionalen Qualitätsblätter 240.462 Kunden binnen Jahresfrist verloren – eine erstaunliche Leistung. Bei den Wochenblättern rutscht langsam aber sicher auch Die Zeit ins Minus. 9.934 verlorene Kunden sind zwar nur 2,3 Prozent der verkauften Abos und Einzelzeitungen, aber das läppert sich ebenfalls. Zeit-Chefredakteur Giovanni die Lorenz hat zwar einen für deutsche Ohren erstaunlich klangreichen Namen, aber das ändert nichts daran, dass er ein journalistisches Auslaufmodell ist. Sicher ist es blöd, mit bald 60 Jahren keine Zukunft mehr zu haben, aber das geht vielen Arbeitnehmern nicht anders. Vorteil: Di Lorenzo kann in Zukunft noch länger beim Hamburger Edel-Italiener sitzen.

Das Siechtum der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung mit minus 14.062 (-5,1 Prozent) ist fast schon bedauern, da sich diese Zeitung noch recht oft dem journalistischen Einheitskurs in Deutschland entgegenstellt. Runter geht’s auch bei Spiegel (-4,0) und Stern (-5,1 Prozent). Focus rettet sich nur durch die erstmals mitgezählten ePaper und weist 0,8 Prozent plus aus. Wenn der ePaper-Effekt weg ist, geht’s auch für die Münchener wieder auf die Rutschbahn.

Bei den Regionalzeitungen brennt es in Berlin am heftigsten: 36.974 Exemplare verloren B.Z., Berliner Zeitung, Der Tagesspiegel, Berliner Morgenpost und Berliner Kurier zusammen. In der Hauptstadt werden gerade noch 530.237 Zeitungen verkauft. In Hamburg fällt das Hamburger Abendblatt, das jetzt ebenso wie die Berliner Morgenpost nicht mehr zu Springer, sondern zur Funke-Gruppe (WAZ) gehört, mit einem Minus von 6,5 Prozent aus dem Rahmen. In Funkes Heimat, dem Ruhrgebiet, macht sich der Bevölkerungsaustausch (weniger Deutsche – mehr Migranten) drastisch bemerkbar: Funkes Titel (WAZ, Neue Rhein-/Ruhr-Zeitung, Westfalenpost und Westfälische Rundschau) verlieren 6,3 Prozent. In NRW als besonders linksgrüngenderversiffte Blätter bekannt sind der Express (Köln) und die Westdeutsche Zeitung (Düsseldorf), die wieder hohe Verluste (5,9 bzw. 7,5 Prozent) ausweisen.

Noch tun sie alle so, als könnte ihnen der Auflagenverfall nichts anhaben, geifern gegen „Lügenpresse“-Vorwürfe, kämpfen mutig gegen Rechts und Klimawandel und maßregeln ihre Leser. Aber wir wissen: Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Es dauert nicht mehr lange.

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