Lügenpresse reloaded: dpa und die Windräder

Wo Grüne sind, ist das Pharisäertum nicht weit. Und wo sie regieren wie beispielsweise in Baden-Württemberg, ist das Pharisäertum Staatsräson. Eine kleine Zahl reicht für den Beweis: Ganze sieben Windräder wurden in Baden-Württemberg im Jahr 2014 neu errichtet. Was anderswo das Rückgrat für die Energiewende sein soll, will man im Land des grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann erst gar nicht haben. Windräder könnten ja den schönen Blick aufs Ländle verstellen, und wenn die Energie nicht reicht, holt sich Kretschmann Atomstrom aus Frankreich. Die Welt der grünen Heuchler ist doch so einfach.

Schon vor knapp einem Jahr befassten wir uns hier mit dem Thema und müssen von dem damaligen Text keine Silbe zurücknehmen: „Es ist nun wirklich keine Überraschung, dass es im Heimatland der Energiewende-Pharisäer mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien nicht weit her ist. Die Rede ist von Baden-Württemberg, wo Grün-Rot regiert und eine tolerante und vielfältige Gesellschaft mit regenerativer Energieversorgung schaffen will. Weit gekommen ist die vom grünen Ministerpräsidenten und Vorzeige-Öko Winfried Kretschmann geführte Truppe nicht. Gerade einmal elf Windenergieanlagen wurden im Jahr 2013 im Ländle errichtet. Das ist zwar eine deutliche Steigerung gegenüber 2012, als man in ganz Baden-Württemberg nur auf neun neue Vogelhackmaschinen kam. Aber im Vergleich zu anderen und kleineren Bundesländern ist die Bilanz beschämend. So wurden in Schleswig-Holstein 162 Anlagen neu errichtet und in Rheinland-Pfalz 149.“

Und jetzt muss man sich anschauen, was die staatsnahe Nachrichtenagentur adn dpa aus den Windkraftzahlen macht. Am 29. Januar 2015 schickte dpa einen Text des Qualitätsjournalisten Georg Ismar (dpa-Qualitätsjournalisten sind immer unter nachname.vorname@dpa.com zu erreichen), der mit den gewohnten Jubelmeldungen beginnt – so ähnlich ging es früher im ND immer in den Ernte- und Produktionsberichten ab. Ismar berichtet, 2014 habe der Bau neuer Windräder in Deutschland ein Rekordniveau erreicht. Insgesamt seien 1.766 Windräder an Land mit einer Gesamtleistung von 4.750 Megawatt errichtet worden, berichtet Ismar unter Berufung auf den Verband Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und den Bundesverband Windenergie.

Im Länderkapitel berichtet Ismar, dass in Schleswig-Holstein 2014 die meisten Windräder gebaut wurden, und dass in allen Bundesländern Räder errichtet worden seien, selbst eins im Stadtstaat Berlin. Weiter heißt es: „Überraschend ist, dass das bisher Windkraft-skeptische Bayern 2014 auf Platz fünf lag – immerhin wurden 154 Windräder (Leistung 410 MW) neu errichtet.“ Das heißt: Der dpa-Qualitätsjournalist kannte die Länder-Statistik ganz genau, verschwieg aber den im grün-rot regierten Baden-Württemberg (sieben Räder) im Vergleich zu Bayern (154 Räder) hundsmiserablen Wert und relativierte noch das bayerische Ergebnis: „Dies lag vor allem an Vorzieheffekten wegen einer neuen Mindestabstandsregelung zu Wohngebieten, die den Ausbau künftig im Freistaat deutlich droseln könnte.“

In Baden-Württemberg gibt es diese Abstandsregelung nicht. Dort bremsen die Grünen den Ausbau der Windenergie. Sie wollen nicht, dass die Vogelhackmaschinen das schöne Landschaftsbild bei der Spazierfahrt im Porsche stören oder den Ausblick aus der 50-qm-Wohnküche der Niedrigenergievilla ruinieren.

Dass dpa diese Tatsachen verschweigt, führt zu einer verfälschten Berichterstattung in allen Medien, die dpa als Basis für ihre Nachrichten benutzen. Das sind fast alle, denn eine ernstzunehmende Alternative zu der Nachrichtenagentur gibt es längst nicht mehr. Lügen kann man auch durch Weglassen, und deshalb dürfen sich dpa und die Medien über den Vorwurf „Lügenpresse“ nun wirklich nicht mehr wundern. Er trifft zu.

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