Rückkehr der „Deutschen Christen“

Wer die Bilder gesehen hat, wie sich Bremer Pfaffen vor dem Dom der Hansestadt präsentierten und sich öffentlich gegen eine „umstrittene“ Predigt des Bremer Pastors Olaf Latzel gestellt haben, den beschleicht ein Gefühl der Übelkeit. Die Pfaffen demonstrierten mit Plakaten “Bremen ist Bunt! Wir Leben Vielfalt” am 4. Februar 2015 auf den Stufen des Bremer Doms. “Es ist uns unerträglich, wie zuletzt in der St. Martini-Gemeinde Jahrtausende alte biblische Texte aus ihrem historischen Zusammenhang herausgerissen werden”, schrieben die Pfaffen auf einem Flugblatt.

Latzel hatte sich in seiner Predigt am 18. Januar dagegen gewandt, die Unterschiede zwischen Christentum und Islam zu verwischen: „Es gibt nur einen wahren Gott. Wir können keine Gemeinsamkeit mit dem Islam haben. Das ist Sünde. Das darf nicht sein. Davon müssen wir uns reinigen. Der Islam gehört nicht zu Deutschland.“ Latzel rief Christen auch dazu auf, Buddha-Figuren aus ihren Wohnungen zu verbannen. Er hatte das islamische Zuckerfest, das mittlerweile auch von der deutschen Zivilgesellschaft gefeiert wird, kritisiert und den Reliquienkult der katholischen Kirche als „Blödsinn“ bezeichnet.

“Wir distanzieren uns entschieden von Fundamentalismus jedweder Art – und von allen Versuchen, Fremdenfeindlichkeit, Islamophobie, Antisemitismus oder rassistisches Gedankengut mit vorgeblich biblischem Glauben zu bemänteln”, schrieben die Pfaffen. Mittlerweile hat sich die Evangelische Kirche in Bremen hochoffiziell „gegenüber den muslimischen, buddhistischen und katholischen Gesprächspartnern sowie allen Bremerinnen und Bremern, die durch Herrn Pastor Latzel diskriminiert und in ihren religiösen Gefühlen und Wertvorstellungen oder liturgischen Traditionen beleidigt wurden“, entschuldigt. Allein Pfarrer Latzel steht aber weiter zu seinen Worten. Kein Problem für die anderen Bremer Pfaffen ist, dass Latzels Kirche stets gut gefüllt ist, während sie regelmäßig vor leeren Bänken stehen. Ohne Kirchensteuer würden sie längst am Hungertuch nagen.

Ein Kommentator im Internet meint: „Mit seiner Predigt als Theologe hat er auch an das kirchengeschichteliche Erbe und Gewissen seiner Glaubensbrüder appelliert. Das trifft den Kern ins Mark. Die Brunnenvergifter seiner Glaubensbrüder und ,Gutmenschen‘ fühlen sich ertappt. Um davon abzulenken wird er angegriffen. Wagen wir einen historischen Vergleich:

Pastor Olaf Latzel reiht sich damit ein in die Mahner unserer Zeit wie damals in der Zeit des Nationalsozialismus der in Stuttgart geborene und in München wirkende Jesuiten-Pater Rupert Mayer (katholischer Widerstand). Der Vergleich: Pater Rupert Mayer erklärte, daß er als Katholik nicht Nationalsozialist sein konnte. Vergleich zu heute: Pastor Olaf Latzel erklärt, daß er als Christ der Islamisierung nicht folgen kann. Wie Pater Rupert Mayer prangerte er das System (Pater Rupert Mayer prangert damals das Regime an) an. Was folgte damals? Verleumdungskampagne: Eine Verleumdungskampagne der Nationalsozialisten im Rahmen der sogenannten Sittlichkeitsprozesse im April 1937. Schließlich wurde Pater Rupert Mayer ein Redeverbot verhängt. Heute: Der Versuch eines Redeverbotes über das Gericht (Staatsanwaltschaft) wegen Volksverhetzung.

Weiter in der Geschichte: Als Pater Mayer das auferlegte Redeverbot nicht befolgte, wurde er am 5. Juni 1937 verhaftet. Im Juli wurde er von einem Sondergericht wegen Kanzelmissbrauchs verurteilt. Zwischenzeitlich hatte man ihn im Konzentrationslager Sachsenhausen später im Kloster Ettal interniert. U.a. hat man ihn ins Gefängnis Landsberg am Lech festgesetzt. Deutlicher könnten die Parallelen zum Nationalszialimus nicht sein.“

Bei den Nazis hießen die besonders systemtreuen Pfaffen übrigens „Deutsche Christen“.

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