Lügenpresse reloaded: Wie dpa mit Zitaten umgeht

In der Berichterstattung über das zerbröselnde Pegida-Bündnis greift die staatsnahe Nachrichtenagentur adn dpa zu bekannten Mitteln aus der Propagandakriegsführung. Das wäre nicht weiter schlimm, denn man muss das Zeug nicht lesen, aber Texte von adn dpa sind Grundlage für diese gesamte Berichterstattung von Fernsehen, Radio, Zeitungen und Internetportalen. Für heutige Qualitätsjournalisten ist dpa eine Primärquelle und ersetzt Recherche. dpa verkauft seine Dienste für teures Geld an Regierungen, Parlamente, Fraktionen und Parteien, finanziert sich damit zu einem guten Teil und darf deshalb mindestens als staatsnah bezeichnet werden.

Mittel 1 ist die Unterscheidung von guten und bösen regierungskritischen Demonstranten. So ist bei adn dpa am 9. Februar 2015 in einem Bericht der Qualitätsjournalisten Jörg Schurig und Martin Fischer zu lesen, Ex-Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel und ihre ausgestiegenen Mitstreiter hätten sich am Sonntag um „moderate Töne bemüht“…“Von drohender Islamisierung ist keine Rede mehr“, schreiben die Qualitätsjournalisten Schurig und Fischer erleichtert.

Mittel 2 ist das Verfälschen von Zitaten: „Ganz anders bei Pegida. Dort wurden am Montag wieder düstere Szenarien über die Zukunft des Abendlandes an den Nachthimmel von Dresden gemalt. Schon die Sprache der Plakate verrät, wohin es mit Pegida in Dresden noch gehen könnte. ,Doch eines Tages wird Gerechtigkeit walten, dann richtet das Volk, dann gnade euch Gott‘, hieß eine unverhohlene Drohung an ,die da oben‘ auf einem Plakat.“

Tatsächlich handelt es sich bei dem Plakatspruch um ein Zitat aus dem Werk des deutschen Dichters Carl Theodor Körner aus den Freiheitskriegen gegen Napoleon (Bekannt vor allem durch „Das ist Lützows wilde, verwegene Jagd“). Körner, der für die Freiheit sein Leben gab, gilt als Symbol des Freiheitswillens eines jeden Volkes gegen Unterdrücker – von Napoleon bis Stalin, Hitler und Honecker. Für Körner gibt es in zahlreichen deutschen Städten Denkmäler, auch in Leipzig.

Man weiß nicht, ob die Qualitätsjournalisten Jörg Schurig und Martin Fischer einfach zu dumm sind, um das Zitat zu kennen oder ob sie es bewusst verfälscht haben. Wenn es Dummheit ist, entlarvt es die beiden als willfährige Schreiberlinge der Systempresse. Ist es Absicht, dann sind sie der Fälschung überführt. Der Vorwurf der Lügenpresse ist in beiden Fällen gerechtfertigt, denn spätestens die gegenlesende Tischredakteurin Uta Winkhaus bei adn dpa hätte das Zitat kennen und den Text stoppen müssen (dpa-Qualitätsjournalisten sind übrigens immer unter nachname.vorname@dpa.com zu erreichen).

Das vollständige Zitat lautet übrigens:

„Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten, vom Feinde bezahlt und dem Volke zum Spott. Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten, dann richtet das Volk und es gnade euch Gott!“

Körners Wirken und Werk sind aktueller denn je.

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Eine Antwort zu Lügenpresse reloaded: Wie dpa mit Zitaten umgeht

  1. Jörg schreibt:

    Diese wunderbare Wahrheit wird zur Zeit in unserer Stadt, von wem auch immer, auf riesen Plakaten zum besten gegeben. Die Revolution ist bereits in vollem Gange.

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