Warum Tsipras schon gewonnen hat

Die Äußerung von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), griechische Forderungen nach deutschen Reparationen seien „dumm“, fällt auf den dicken Siggi selbst zurück. Das hoffnungslos verschuldete und vor der Pleite stehende Griechenland hat sich längst aus der Rolle des Schuldensünders lösen und in die des Opfers schlüpfen können. Als Sieger wird Ministerpräsident Alexis Tsipras vom Platz gehen, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel wird als Opfer auf dem Schlachtfeld einer der größten europäischen Finanzauseinandersetzungen zurückbleiben. Und da der römische Grundsatz „vae victis“ nichts von seiner Gültigkeit verloren hat, wird das deutsche Volk für die Dummheit seiner Politiker wie üblich fürchterlich bluten müssen.

Machen wir uns mit der Frontaufstellung vertraut:

Griechenland: Hat rein gar nichts, aber ist unstrittig Opfer von Nazi-Deutschland und moralisch der Regierung in Berlin damit haushoch überlegen. Kann noch mit dem finanziellen Selbstmord drohen und den Euro abschaffen. Hat zwar nicht unbedingt Freunde, findet aber für seine Forderungen gegen Deutschland in Höhe von 278,7 Milliarden Euro viel Verständnis bei den anderen europäischen Regierungen, weil diese keinen Cent mehr für Griechenland geben wollen und dies auch nicht tun müssen, wenn Deutschland zahlt.

Deutschland: Hat viel Geld, zeigt sich aber unsolidarisch. Hat definitiv erklärt, dass Europa scheitert, wenn der Euro scheitert. Ein Grexit wäre das Eingeständnis des Euro-Scheiterns, das die Berliner Regierung unbedingt verhindern will. Lehnt griechische Forderungen nach Reparationen ab, kann aber andererseits auch keinen Schlussstrich unter die Nazi-Geschichte ziehen, weil deutsche Schuld wichtiger Bestandteil des bundesrepublikanischen Selbstverständnisses ist. Ein Schlussstrich würde dem Kampf gegen rechts im Inland die Legitimation entziehen. Hat keine Freunde in Europa, sondern nur begehrliche Nachbarn.

Das Ergebnis ist klar: Deutschland wird zahlen.

Die Schweizer „Basler Zeitung“ stellt ganz richtig fest: „Um das Ende der Eurozone in ihrer jetzigen Zusammensetzung weiter hinauszuzögern, könnte sich die deutsche Regierung schon bald gezwungen sehen, weitere Milliarden an Griechenland zu überweisen. Die Anerkennung von Reparationsforderungen könnte da eine willkommene Ausrede sein, um dies vor der deutschen Öffentlichkeit zu rechtfertigen. Man könnte dann hehre Reden von historischer Verantwortung führen. Tatsächlich aber ginge es darum, eine dysfunktionale Währungsunion künstlich am Leben zu erhalten.“

Schon vor dem ersten scharfen Schuss bricht die deutsche Front zusammen, Linke und Grüne sind ohnehin dafür, an Athen Milliardenbeträge auszuschütten. Der Druck der deutschen Qualitätsmedien wächst täglich. So ist in der Frankfurter Rundschau zu lesen: „Die deutsche Gutsherrenhaltung, einen offensichtlichen Konflikt einfach für erledigt zu erklären, ist angesichts der Verbrechen, die den Forderungen zugrunde liegen, auch nicht akzeptabel.“

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