Wenn der Bundespfaffe trauert

Eine Polemik wäre angebracht, Wut möchte am liebsten ausbrechen, aber lassen wir das. Setzen wir uns ganz sachlich mit dem Verhalten des Bundespräsidenten auseinander. Joachim Gauck hat anlässlich des 70. Jahrestages der deutschen Kapitulation im II. Weltkrieg bei einem Besuch des damaligen Gefangenenlagers Schloß Holte-Stukenbrock den sowjetischen Soldaten für die Befreiung Deutschlands gedankt. „Wir Nachgeborenen in Deutschland haben allen Grund, für diesen aufopferungsvollen Kampf der ehemaligen Gegner in Ost und West dankbar zu sein“, sagte Gauck am 6. Mai 2015.

Zwar waren auch ein paar Worte zu gestorbenen deutschen Kriegsgefangenen zu hören, die aber sofort in einer Warnung mündeten: Das Leid der sowjetischen und deutschen Kriegsgefangenen müsse als gemeinsame Verpflichtung gesehen werden, „um ein menschenwürdiges und friedliches Leben für alle zu ermöglichen und zu beschützen“, sagte der Bundespräsident.

Und weiter ging die Relativierung: Der Blick auf die sowjetischen Soldaten in Deutschland sei durch Schreckensbilder beim Vormarsch der Roten Armee, die Leiden Deutscher in sowjetischer Gefangenschaft und die ab 1945 beginnende sowjetische Besatzungszeit in Ostdeutschland geprägt worden. Das sei aber kein Grund, über das millionenfache Verbrechen an den Gefangenen und den Beitrag der Roten Armee zum Sieg über Nazi-Deutschland hinwegzusehen.

So haben früher nur die Sowjets zu ihren besten Zeiten über den Großen Vaterländischen Krieg geredet.

Es fällt auf, dass weder der Bundespfaffe noch andere Mitglieder der Berliner Räuberbande bisher an irgendeinem Ort erschienen sind, um deutscher Opfer zum 70. Jahrestag des Kriegsendes zu gedenken. Beim Untergang der von sowjetischen Torpedos getroffenen „Wilhelm Gustloff“ starben am 30. Januar 1945 9.000 Menschen, überwiegend Zivilisten. Ihrer wurde ebensowenig gedacht wie der vielen tausend weiteren deutschen Flüchtlinge auf der Ostsee, die Opfer sowjetischer Torpedos wurden. Ihr Tod ist heute vergessen von einer Zivilgesellschaft, die über jeden ertrunkenen Flüchtling auf dem Mittelmeer trauert als habe sie einen engen Familienangehörigen verloren. Millionen kriegsgefangene deutsche Soldaten haben die Gefangenschaft nicht überlebt, vor allem nicht in der Sowjetunion. Sowjetische Soldateska hat unter deutschen Flüchtlingen in den Ostgebieten Blutbäder angerichtet. Es starben nochmals Millionen. Sie alle sind vergessen.

Der französische Präsident Charles de Gaulle hat gesagt: „Die Kultur eines Volkes erkennt man daran, wie es mit seinen Toten umgeht.“ Es ist erschütternd, zugeben zu müssen, dass Deutschland, einstmals das Land der Dichter und Denker, seine Kultur verloren hat.

Frank Richter, der in Berlin wegen des Dialogs mit Pegida verhasste Präsident der Landeszentrale für politische Bildung in Dresden, sagte bei einer Gedenkfeier des Volksbundes deutsche Kriegsgräberfürsorge 2011: „Die Toten sind die, die ihre Würde nicht mehr zu verteidigen vermögen. Der Tod konnte ihre Würde nicht zerstören. Er hat sie uns überlassen. Sie liegt in unseren Händen.

Missachten wir die Würde der Toten, die einst unter uns lebten als unsere Geschwister, als Angehörige der einen Menschheitsfamilie, so, als hätte es sie gar nicht gegeben, schaden wir uns selbst. Geben wir den Toten die Ehre, wir – die man auch als die unverdient und glücklich Übriggebliebenen bezeichnen könnte – leisten wir einen Akt menschlicher Anständigkeit und Solidarität. Wir geben uns selbst die Ehre, die uns kein anderer geben oder nehmen könnte. Wir realisieren den ersten Satz des ersten Artikels unseres Grundgesetzes: Die Würde des Menschen ist unantastbar“, so der Theologe Richter.

Es würde uns jetzt richtig viel über den Wert von Würde, Anständigkeit und Solidarität sowie der Achtung der Grundwerte in Berlin einfallen. Aber lassen wir das und neigen das Haupt vor allen Opfern der Kriege und der Barbarei.

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