Das Ende des Fernsehens

Wenn es Abend wird in Amerika, dann werden drei Viertel des Internet-Traffics für Serien-Anbieter wie Netflix verbraucht. „House of Cards“ heißt eine der bekanntesten Serien, die von Netflix produziert und ausgestrahlt werden. Der Unterschied zu den deutschen durch die Demokratieabgabe gestärkten Fernsehkanälen ARD und ZDF besteht darin, dass bei Netflix jeder das gucken kann, was er will und das auch noch zu jedem gewünschten Zeitpunkt. Streng volkspädagogisch ausgerichtete Sendepläne mit festgelegter 20-Uhr-Tagesschau gibt es im Netflix-Zeitalter nicht mehr.

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 10. Mai 2015 erschien ein Interview mit Netflix-Gründer Reed Hastings,der sich über die Deutschen wundert, die jeden Sonntag ab 20.15 Uhr Tatort-Krimi schauen und feststellt: „Ich glaube nicht, dass sie das in zehn Jahren noch tun werden.“

Frage: Ihr Streaming-Dienst Netflix bietet jederzeit Filme und Serien im Internet. Verabschieden wir uns damit komplett vom Fernsehen mit festen Sendezeiten?

Hastings: „Das Auto hat ja auch das Pferd abgelöst – oder nicht? Die junge Generation kennt das gar nicht anders. Da schaut jeder, wann er Lust und Zeit hat.“

Frage: Braucht es dann noch traditionelle Sender wie ARD, ZDF oder RTL?

Hastings: „Ich vergleiche die Sender gerne mit dem Telefon. Natürlich gibt es noch das Festnetz, hier in meiner Hotelsuite steht auch so ein Gerät herum. Aber das benutzt kein Mensch. Alle haben Smartphones.“

Frage: Ausgerechnet Sie als Newcomer gerieren sich als Anführer der TV-Revolution.

Hastings: „Viele Große haben den Wandel halt verschlafen, wie so oft. Das war unser Glück. In Amerika sind wir mit Netflix mittlerweile in fast jedem zweiten Haushalt.“

Die deutschen Rundfunkanstalten, die jeden Nichtzahler mit Gerichtsvollziehern verfolgen lassen und die Zwangsgebühren eintreiben wie einst die Pfaffen das Kirchgeld, haben sich durch überhöhte Beiträge ein Finanzpolster von 1,5 Milliarden Euro an die Seite gelegt. Sie wähnen sich sicher, fühlen sich als Informationselite des politisch-medialen Komplexes. Sie sind aber nicht sicher.

In einer nicht mehr fernen Zeit wird es heißen: Stell Dir vor, es ist Tagesschau und keiner guckt mehr hin. Dann bricht die Legitimation des Zwangsgebühren-TV zusammen wie die der Politiker bei einer gegen Null tendierenden Wahlbeteiligung.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Qualitätsjournalismus abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s