Staatsorgan taz

Die Berliner „Tageszeitung“ (taz) ist immer noch von der Aura des Prostests und Widerstands umgeben. Man denkt an die wilden 1960-er und 1970-er Jahre, als Langhaarige mit Psychodelic-Rock-Schallplatten unter dem Arm von einem Happening zum nächsten zogen. Das Bild ist natürlich falsch, und deshalb stieß auch ein Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) ins Leere, wo sich ein Autor mit dem Kürzel „kau“ am 13. Juni 2015 wunderte, dass die taz seit vielen Jahren den Begriff „Staatsknete“ abwertend verwendet. „Staatsknete“ bekämen immer die anderen – von Kirchen bis zu den Parteien.

Dann knöpfte sich Autor „kau“ die taz vor, weil „diese Arche Noah der Zivilgesellschaft“ für den Neubau ihres Verlagsgebäudes 3,7 Millionen Euro Zuschuss aus einem Topf für regionale Wirtschaftsförderung des Berliner Senats bekommt.

Uns wundert das überhaupt nicht. Die taz ist angekommen – in der Regierung und in dem Staat, den sie einst zu bekämpfen meinte. taz-RedakteurInnen können heute bequem RegierungssprecherInnen werden und in höchste Positionen aufrücken. Die taz ist ein Herzstück des politisch-medialen Komplexes. Deshalb ist es nur folgerichtig, dass sich das Qualitätsblättchen Staatsknete abholt. Schließlich gehört sie zum System wie der Bayernkurier. Und sie ist schon fast genauso langweilig.

Nur hat der Bayernkurier nie den Anspruch vertreten, unabhängigen Journalismus zu praktizieren. Das tat und tut sehr wohl die taz. Dazu will aber gar nicht passen, dass für die grüne Partei unbequeme Artikel aus der Zeitung geworfen werden, wie es 2013 geschah. So bekamen Leser der taz einen Artikel über pädophile Bestrebungen bei den Grünen und die Aufarbeitung nicht zu lesen. Die Leser (und vor allem die grüne Partei) hätten Schaden nehmen können, muss taz-Chefredakteurin und Qualitätsjournalistin Ines Pohl gedacht haben, so dass sie den für Sonnabend, den 17. August 2013, geplanten Artikel mit der Überschrift „Befreites Menschenmaterial“ des Journalisten Christian Füller aus dem Blatt werfen ließ. Seitdem wird Pohl häufiger als „Zensurines“ tituliert.

Schon bei der taz wurde gespottet, dass Pohl eher wegen ihrer sexuellen Orientierung als ihrer journalistischen Qualifikation auf den Chefsessel bei der Zeitung rücken konnte. Quotenlesben und Quotenschwule sind heute in jedem Zeitungsverlag zu finden, da ist die taz keine Ausnahme. Die „richtige“ politische und sexuelle Orientierung verhilft sogar zu Jobs beim Staat. Wieder ist Pohl das beste Beispiel für die Verquickung des politisch-medialen Komplexes. Sie heuert jetzt beim Staatssender Deutsche Welle an, wo sie das Studio Washington bereichern wird. Niemand mit so wenig Erfahrung in elektronischen Medien ist jemals so schnell auf so einen begehrten Posten gekommen. Da mag das selbstverständlich auch zivilgesellschaftlich orientierte Fußvolk bei der Welle motzen, was es will: Wenn eine VertreterIn der linksgrün-lesbischen Oberschicht untergebracht werden muss, dann spielen sachliche Gründe keine Rolle mehr.

Angesichts der Zensur-Vorgeschichte von Pohl wirken die Jubelarien der Deutschen Welle schon mehr als peinlich. So berichtet Spiegel online: „DW-Programmdirektorin Gerda Meuer sagte, Pohls Arbeit stehe ,für die Werte, die den Journalismus in der Deutschen Welle ausmachen‘. Sie werde die USA-Berichterstattung gerade im kommenden Wahlkampf stärken‘. Auch (der CDU-nahe) Intendant Peter Limbourg verkündete seine Vorfreude auf die Zusammenarbeit mit Ines Pohl.“

Nachrichtenunterdrückung und Zensur als Werte umzuinterpretieren, ist schon ein starkes Stück. Aber niemand muss diesen Sender hören. Mein greife lieber wie früher zur bewährten BBC.

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