Auflagen der Qualitätspresse weiter im freien Fall

Wenn alle einer Meinung sind, dann stimmt etwas nicht. Alle deutschen Zeitungen und Zeitschriften sind für den Euro, für massenhafte Zuwanderung, finden den Islam toll, wollen den Mindestlohn, die Frauenquote in Aufsichtsräten, (fast alle) die Rente ab 63, sie freuten sich über das Ende der „Herdprämie“ (Betreuungsgeld), und sie veranstalten einen Wettlauf um die besten Argumente für die „Ehe für alle“. Demonstrationen gegen die Regierung wie in Dresden werden von ihnen scharf kritisiert. Das finden viele Leser zum Kotzen und lassen die Finger von den Zeitungen, für die zu Zeiten von Pegida der Begriff „Lügenpresse“ gefunden wurde. Die Auflagen der Presse stürzen weiter ab, wie der Auflagenvergleich des zweiten Quartals 2015 mit dem Vorjahresquartal zeigt.

In Berlin ist der Meinungsdruck der Zivilgesellschaft am größten, entsprechend langweilig sind die Zeitungen, und entsprechend hoch sind die Auflagenverluste. Keine Berliner Zeitung verlauft noch über 100.000 Exemplare. Die B.Z. verliert 7,9 Prozent, der Kurier sogar 10,2 Prozent. Der Tagesspiegel hat mit einer (angeblich) stabilen Auflage von 94.231 die Berliner Morgenpost (68.787) weit hinter sich gelassen. Die Morgenpost sackte um 9,3 Prozent ab und befindet sich jetzt auf dem Auflagenniveau einer Kreiszeitung. Zu Mauerzeiten verkaufte die Morgenpost noch über 200.000 Exemplare.

Erfreulich zeigt die Reise durch die Bundesländer, dass die Qualitätszeitungen durchweg um die drei Prozent verlieren. Das kann man in Ruhe mit anschauen. In wenigen Jahren werden die Vertriebsnetze reißen. Wenn ein Zusteller drei Stunden unterwegs ist, um 50 Zeitungen auszutragen, lohnt sich das nicht mehr. In Hamburg brechen die Strukturen schneller zusammen. Abendblatt und Morgenpost verlieren jeweils rund acht Prozent. Ein erfreulicher Ausreißer im Verlustranking nach oben findet sich in Nordrhein-Westfalen, wo die Funke-Gruppe (WAZ, NRZ usw) 5,4 Prozent verliert und noch 582.501 Exemplare verkauft. Die hatten am Wochenende mal 1,4 Millionen!

Auch der Verfall des Express, der kleinen Bild-Zeitung aus Köln, ist mit einem Auflagenminus von 10,9 Prozent höchst erfreulich. Das größere Original aus dem Haus Springer verliert ebenfalls fast zehn Prozent und verkauft jetzt noch zwei Millionen. Es waren mal 6 Millionen! Wer sich im Sommer an deutschen Stränden umsieht, sieht so gut wie keine Bild-Zeitung mehr. Gut so! Aber auch sonst sind Zeitungen noch am ehesten in Müllcontainern der Urlauberhotels zu finden, in die die angelieferten Freiexemplare paketeweise ungelesen gekippt werden.

Die Prantl-Prawda „Süddeutsche“ verliert 3,7 Prozent (alle Angaben beziehen sich auf Abos und Einzelverkauf, keine verteilten Exemplare), die FAZ erstaunliche 13,5 Prozent. DIE WELT wird mit 114.034 Exemplaren angegeben und verbucht einen Verlust von 10,4 Prozent. Die Einstellung der Printausgabe rückt näher.

Auch Springers Bild am Sonntag stirbt dahin. 1,055 Millionen Exemplare sollen es noch sein (Abo und Einzelverkauf), was einem Verlust von 8,4 Prozent entspricht. Sehr schöne Zahlen kommen von der ZEIT. Das Hamburger Qualitätsblatt, das sich jahrelang dem Trend sinkender Auflagen entziehen konnte, geht jetzt in den Sinkflug (minus 3,3 Prozent) über, obwohl das Blatt mit seinen Hamburger Lokalseiten angeblich so tolle Erfolge feiert. Vermutlich alles gelogen. Die Welt am Sonntag verliert 3,7 Prozent, die FAZ-Sonntagszeitung sogar 8,7 Prozent.

Alles in allem sind das sehr erfreuliche Zahlen. Ein Leser des Branchenportals meedia.de fasst zusammen: „Man sieht mit einer nicht zu leugnenden Schadenfreude quartalsweise den Absturz einer Bevormunder- und Volkspädagogen-Mischpoke, die aus den beiden vorläufig letzten Terror-Diktaturen und ihrer Stiefellecker-Presse nichts gelernt haben.“ Der Leser bezeichnet Journalisten als „Enddarm-Bewohner der verwahrlosten Politischen Klasse“.

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