Neues vom Hochstapler: Döpfners „Raketenwissenschaft“

Man sollte sich von dem vom Hochstapler Mathias Döpfner betriebenen Wirbel um „Upday“, den von Axel Springer geplanten News-Aggregator auf Samsung-Handys, nicht irre machen lassen. Solche Nachrichtensammler gibt es für Handys wie Sand am Meer, Google-News ist der bekannteste. Geld verdienen Firmen wie Google und Apple, Springer ist hier nur der nützliche Idiot, der Content für Samsung liefert. Verdient wird mit „Upday“ gar nichts, auch wenn ein Döpfner-Hofschreiber namens Stefan Winterbauer auf meedia.de behauptet, „Upday“ sei für Springer das wichtigste Projekt seit der BILD-Zeitung. Die Eigenwerbung für „Upday“ im Google play store spricht Bände: „Upday ist deine neue Nachrichten-App – exklusiv für Samsung-Smartphones. Upday findet für dich Stories, die dich wirklich interessieren. Mit viel Raketenwissenschaft und ein bisschen Magie suchen wir dir deine News aus hunderten von Quellen zusammen. Und je mehr du upday benutzt, desto besser werden unsere Empfehlungen für dich.“

Man erinnert sich an einen Kommentar in der Financial Times Deutschland (FTD) zum seinerzeitigen Kauf des Postunternehmens PIN AG durch Döpfner: Da behauptete so ein Schreiberling allen Ernstes (vor dem Hintergrund des stark zurückgehenden Briefmarktes), der Kauf von PIN sei ein genialer Schachzug von Döpfner, weil PIN-Briefträger künftig direkt an den Haustüren Abos von WELT und Hörzu verkaufen könnten. Das könne kein anderer Verlag. Kurz danach war PIN pleite, etwas später wurde die FTD eingestellt, was bei solch blödsinnigen Berichten nicht wundert. Die Hörzu musste Springer wegen Geldnot verkaufen, und die WELT steht vor der Einstellung.

Andere Nachrichten aus dem Haus Springer zeigen die wahre Lage am 30. Todestag des Verlagsgründers Axel Cäsar Springer. In jüngster Zeit kommt der Name Axel Springer immer dann vor, wenn ein Deal nicht geklappt hat: So stand der Berliner Medienkonzern angeblich vor einer Fusion mit dem Fernsehsender Pro Sieben SAT 1 – geplatzt. Auch die britische Financial Times wollte Döpfner kaufen und damit einen Schritt zurück in die analoge Welt machen – angeblich überboten. Schon lange gab es Gerüchte, Springer wolle der Telekom das Internet-Portal T-online abkaufen. Döpfner dementierte Anfang Juli: „Unsere Prioritäten sind andere“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“.

Das ist schon komisch, dass der voll auf Internet ausgerichtete Konzern andere Prioritäten als Internet-Portale und dann noch andere Prioritäten als besonders reichweitenstarke Internet-Portale haben soll. Nach Angaben von Heise ist T-Online laut Reichweitenmessung der AGOF (Arbeitsgemeinschaft Online Forschung) das größte deutsche Internetportal, die von der Telekom in diesem Zusammenhang ebenfalls veräußerte Firma Interactive Media der drittgrößte Digitalvermarkter Deutschlands. T-online und Interactive Media gingen für 300 Millionen Euro an den im Verhältnis zu Springer kleinen Werbevermarkter Ströer, der den Kaufpreis in Aktien bezahlt, für die das Unternehmen eine Kapitalerhöhung durchführen will.

Laut einem Jubelartikel im Manager Magazin will Döpfner das Medienhaus Springer zum führenden digitalen Verlag auf den jeweiligen Märkten ausbauen. Wachstumstreiber sind Online-Portale wie die Immobilienplattform Immonet oder die Jobbörse Stepstone. Springer erwirtschaftet nach eigenen Angaben bereits 53 Prozent der Gesamterlöse von 3,04 Milliarden Euro (2014) im Internet. Auch drei Viertel der Werbeeinkünfte würden schon online erlöst. Und dazu passten T-online und vor allem Interactive Media nicht?

Die Wahrheit ist eine andere. Döpfner hat keine 300 Millionen Euro in der Kasse, um das Portal kaufen zu können. Und eine Bonitätsprüfung bei Banken kann er nicht riskieren, weil die ihm in die Bücher schauen würden.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Qualitätsjournalismus abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s