Nullzins: Und sie lügen immer weiter

Die deutschen Sparer haben durch die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bisher rund 300 Milliarden Euro verloren. Die Zahl stammt vom Chef des Münchener Ifo-Wirtschaftsforschungsinstituts, Hans-Werner Sinn. 300 Milliarden Euro entsprechen dem Volumen der Bundesausgaben in einem Jahr. Die Angaben decken sich mit Berechnungen der Allianz-Versicherung. Thomas Richter, der Hauptgeschäftsführer des Fonds-Verbandes BVI, muss auch Bescheid wissen. Denn seine Mitgliedsfirmen verkaufen den Deutschen alle möglichen Fonds zur Vermögensbildung. Er stellt trocken fest: “Die Deutschen sparen sich arm.”

Jetzt gibt es aber eine Untersuchung des Instituts für Wirtschaftsforschung (IWH) in Halle, wonach die Deutschen von den extrem niedrigen Zinsen der EZB profitieren. Die Renditen auf die Ersparnisse seien in der Niedrigzinsphase von 2010 bis 2015 insgesamt höher gewesen als in den Jahren vor der Krise, heißt es in einer am 24. September 2015 veröffentlichten Studie des IWH. Stark gestiegene Renditen auf Aktien und Immobilien hätten die ungewöhnlich niedrigen Zinsen zum Beispiel auf Tagesgeldkonten mehr als ausgeglichen, erklärten die Forscher. Bei Berücksichtigung der Inflation sei der Renditevorteil in der Zeit nach 2010 noch höher, heißt es in der Untersuchung.

Dazu zwei kleine Anmerkungen: Von Aktien profitieren gerade vier Prozent der Deutschen, also die upper class hat kräftig verdient. Selbstgenutztes Wohneigentum haben im Westen 48,8 Prozent der Bürger, im Osten 34,4. Die Hauseigentümer merken nichts davon, dass ihre vier Wände vielleicht 10.000 Euro mehr wert geworden sind, aber dass ihre Lebensversicherung, mit der sie die Hypotheken zum Ablauf der Zinsbindungsfrist tilgen wollten, schlapp gemacht hat, merken sie sehr wohl. Und die Mehrheit, die Mieter, haben von der Wertsteigerung von Immobilien nichts.

Man fragt sich, wer diese Scharlatane „Forscher“ in Halle bezahlt, deren Resultate an die Wehrmachtsberichte von Ende 1944 erinnern: Überall Siege, aber der Krieg war schon hoffnungslos verloren. Die Lage der deutschen Sparer und Lebenversicherten ist doch ganz anders als die Lügenpropaganda aus Halle darstellt: Erst gibt es keine Zinsen mehr, und dann ist das eingezahlte Kapital auch noch wertlos, weil es von der Inflation aufgefressen wurde. Der Geldfälscher EZB-Präsident Mario Draghi druckt Geld ohne Ende. Das wird sich rächen. Und bluten müssen wieder die kleinen Leute, während die Großen längst in Gold und Aktien investiert haben.

Schon im August 2015 hatte das Institut mit einer Studie von sich reden gemacht, wonach der deutsche Steuerzahler von der Griechenland-Krise und dem gesunkenen Zinsniveau stark profitiert habe. Zeit online hatte damals berichtet: “Hintergrund sind die aufgrund der Krise gesunkenen Zinsen auf deutsche Staatsanleihen. Dem IWH zufolge konnte der deutsche Fiskus in den letzten viereinhalb Jahren allein aus diesem Grund mehr als 100 Milliarden Euro einsparen. Dies sei mehr als die rund 90 Milliarden Euro, die Griechenland Deutschland direkt und indirekt zum Beispiel über den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) schulde. ‘Diese Einsparungen übertreffen die Kosten der Krise – selbst dann, wenn Griechenland seine Schulden komplett nicht bedienen würde’, heißt es in einer Mitteilung des IWH. Deutschland habe also in jedem Fall von der Griechenland-Krise profitiert.”

Wir erinnern an einen Bericht der Spoekenkiekerei vom 21. August 2013: “Unter Berufung auf die Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Joachim Poß wird vorgerechnet, dass die Ausgaben für Zinsen für deutsche Staatsanleihen zwischen 2010 und 2014 um 40,9 Milliarden Euro niedriger gewesen seien als ursprünglich geplant. Der Grund ist die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).” Die Studie war eine glatte Lüge, die auf keinen Fall durch die jetzt aufgetischte neue Lüge geheilt wird.

Merke: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, selbst wenn er dann die Wahrheit spricht.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Euro ist stabil, Finanzpolitik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s