Warum kreativ und dumm nicht gut geht

Berlin gilt als Hauptstadt der Kreativen, sozusagen als das deutsche Silicon Valley. In abgewrackten ehemaligen Fabrikgebäuden oder verfallenden Plattenbauten arbeiten ganz viele junge kreative Menschen rund um die Uhr, um Apps zu entwickeln oder Internet-Seiten zu gestalten. Viele Kreative sind in ehemaligen Ladengeschäften (sehr gerne Souterrain-Lage) zu sehen, wo sie eng einander gepfercht an Computern sitzen.

Der Vergleich mit Silicon Valley ist interessant. Dort befinden sich große Abteilungen solcher Firmen wie Apple, Facebook, Amazon, Uber und Google, zumeist Schwergewichte der amerikanischen Börsen. Im Vergleich dazu sind die deutschen Kreativen lächerlich erfolglos. Ihr größter Erfolg bisher war der Schuh- und Modeversand Zalando, bei dem alle bekanntlich vor Glück schreien, der aber noch keinen Euro verdient hat.

Während die Amerikaner an selbst fahrenden Autos und anderen technologischen Lösungen für das 21. Jahrhundert arbeiten, werden in Deutschland andere Prioritäten gesetzt: HelloFresh ist so ein Fall. Vereinfacht erklärt, können sich hungrige Menschen mit Kreditkartenkonto (unterhalb des Limits versteht sich) dort einen Pappkarton mit Lebensmitteln zusammenstellen lassen: Salate, Gewürze, Knoblauch und für die paar Nicht-Veganer in Berlin auch Fleisch. Der Pappkarton wird von einem höchst kreativen Radfahrer angeliefert, der ihn vorher im Biomarkt abgeholt hat, wo kreative Fachkräfte den Karton befüllt haben (ob sich alle Beteiligten die Finger gewaschen haben, bleibt unklar). Nach Entgegennahme des Pakets kann das Kochen mit FreundInnen beginnen. Da alle kreativ sind, will natürlich keiner etwas von hygienischen Standards wissen. Und auch nicht vom Finanzamt. Derartiges Gewerbetreiben von Radkurieren hat die eigentlich völlig humorlosen Beamten in der Finanzverwaltung immer schon begeistert. Die Beamten werden alle kreativen Fahrradkuriere kriegen, auch wenn es noch dauert. Wetten?

Es kann eigentlich allen anderen egal sein, wie sich Kreative, Gutmenschen und Genderisten ihr Essen zusammenstellen und liefern lassen. Es gibt allerdings Verbindungen zur realen Welt. HelloFresh soll an die Börse gebracht werden. Hinter der Aktion stecken die Samwer-Brüder (Oliver Samwer, Marc Samwer und Alexander Samwer), angeblich die erfolgreichsten Internet-Unternehmer Deutschlands. In Wirklichkeit sind es hochstaplerähnlich vorgehende raffinierte Geschäftsleute, die Ideen aus dem Ausland kopieren und sich gerne mit Amazon und Google vergleichen lassen. Ein Vergleich mit dem Quelle-Versand wäre zutreffender.

Der Wert des Unternehmens HelloFresh mit angeblich 420.000 Kunden soll 2,6 Milliarden betragen. Das ist fast halb so viel wie RWE (na gut, Atomkraftwerke sind gerade nicht der Renner in Deutschland). Aber 2,6 Milliarden Euro sind mehr als der Roboterhersteller Kuka in Augsburg wert ist, der für die Automatisierung fast aller Automobilhersteller weltweit sorgt.

Dass sich hier eine Blase am Aktienmarkt mit angeblich kreativen Unternehmen entwickelt, ist gewiss. Die Anleger werden genau so reinfallen wie bei der Dotcom-Blase damals. Wenn HelloFresh tatsächlich 420.000 Kunden in der Kartei hat, ist jeder Kunde mit höchstens zwei Euro einzupreisen. Das Unternehmen ist also bei realistischer Betrachtung bestenfalls eine Million Euro wert und nicht 2,6 Milliarden.

Und besonders kreativ sind die jungen Menschen, die nach Berlin-Mitte strömen und am liebsten „irgendwas mit Medien“ (IMM) machen würden, offenbar auch nicht. Bei Bildungsstandards wie NRW-Abitur wundert das nicht. Das Schnäppchenportal Groupon hat seine Zentrale in Berlin-Mitte. Wie bei den Samwers hocken die Beschäftigten Seit‘ an Seit‘ in einem alten Fabrikgebäude. So etwas soll wohl kreative Kräfte freimachen.

Waren noch vor zwei Jahren Glücksgefühle bei jungen Menschen zu beobachten, die morgens mit hohem Tempo zur Groupon-Zentrale strömten, so waren in letzter Zeit nur noch gebeugte Gestalten mit fahler Gesichtsfarbe auszumachen, die sich Richtung Groupon-Eingang in der Wallstraße schleppten.

Jetzt kommt die Quittung. Groupon entlässt 260 seiner noch 500 Beschäftigten in Berlin. Ursprünglich sollten in dem alten Gemäuer 1.000 Kreative arbeiten. Deren Jobs übernehmen jetzt junge Leute in Polen und Rumänien. Offenbar ist die Kreativität dort größer und auch das Bildungsniveau höher als in der Berliner Dauerparty-Szene.

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