Lügenpresse verliert wieder dramatisch

Bei Axel Springer fällt in diesem Jahr die Weihnachtsfeier aus. Das wundert angesichts der massiven Auflagenverluste nicht: Die Leser sind weiter auf der Flucht vor der deutschen Lügenpresse; Zeitung lesen gilt inzwischen quer durch die Generationen übereinstimmend als „völlig uncool“.

Der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) verdanken wir die neuen, wirklich erfreulichen Zahlen, die meedia.de dankenswerterweise nett aufbereitet hat. Wir beschränken uns auf Abonnements und Einzelverkauf der Blätter, weil kostenlos an Flughäfen, in Mensen und in Hotels abgeworfene Exemplare ohnehin ungelesen ins Altpapier geworfen werden.

Springers Lügenblatt BILD verliert im dritten Quartal 2015 im Vergleich zum dritten Quartal des Vorjahres 231.113 Exemplare und sackt um 10,2 Prozent auf 2,038 Millionen. Kann es noch schönere Zahlen geben? Doch, die gibt es, und zwar beim Schwesterblatt Bild am Sonntag, wo 80.757 Exemplare minus gemeldet werden, was einem prozentualen Verlust in Höhe von 6,9 Prozent entspricht. Die Auflage beträgt noch gerade 1,082 Millionen. Auch Springers DIE WELT reißt alle Barrieren auf dem Weg in den Abgrund. 104.537 Exemplare werden angeblich noch verkauft, 17.677 Exemplare weniger als im Vorjahresquartal. Ein Verlust von 14,5 Prozent! DIE WELT am Sonntag verliert 18.926 Exemplare (minus 6,8 Prozent) und kommt angeblich noch auf 260.813 verkaufte Exemplare.

Die Süddeutsche Zeitung (Prantl-Prawda) verliert zwei Prozent und kommt auf 313.815 Stück. 6.486 Kunden wollen Prantls geistige Dünnbrettbohrstücke nicht mehr lesen. Gut so! Das Handelsblatt behauptet, 300 Stück mehr zu verkaufen und 86.963 zahlende Kunden zu haben. Ähnlich viele Exemplare haut das Handelsblatt kostenlos raus. Eine Firma, die die Hälfte ihrer Produktion verschenken muss, taugt nichts und ist am Ende – oder? Interessant ist, wie meedia.de die Handelsblattzahlen interpretiert: „Das Handelsblatt wandelt weiterhin mit großem Tempo Abos in ePaper-Abos um.“ De facto habe die Zeitung aber 7.000 Abos ihrer Papier-Ausgabe verloren. Wir fragen uns, warum man sich auf immer mehr großen Veranstaltungen online anmelden muss und dann mit einem ePaper-Abo vom Handelsblatt für vier Wochen beglückt wird. Zählen diese Zwangsbeglückungen mit Lügenpresse etwa als verkaufte Exemplare?

Fast tragisch ist die Entwicklung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zu nennen, die es gelegentlich noch wagt, die Regierung zu kritisieren und die Dinge meistens so aufschreibt, wie sie sind, und nicht so, wie sie sein sollen. Sie wird von der übrigen Lügenprese mit in den Abgrund gezogen. Die FAZ verliert 6,7 Prozent (-16.507) und kommt noch auf 231.360 Exemplare. Da wird bald das Korrespondentennetz reißen. Genauso schlecht geht es der FAZ-Sonntagszeitung (-8,1 %, -20.750), die noch 236.147 Exemplare hat.

DIE ZEIT, die Wohnzimmerdekoration für die grüne Bourgeoisie, befindet sich ebenfalls im leichten Sinkflug (-0,6 % oder -2.789) und verkauft 426.717 Stück, von denen aber die wenigsten gelesen werden dürften. Mit leichten Verlusten hat es bei den anderen auch angefangen. Anscheinend geht es der grünen Bourgeoisie, die kräftig geerbt hat, noch so gut, dass persönliche Sparprogramme bisher nicht erforderlich sind. Die kommen aber noch, sollte sich ZEIT-Chef Giovanni di Lorenzo schon merken. Erfreulich, dass auch das Neue Deutschland kräftig verliert, während die taz auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit eine Pause macht und mit 46.536 Exemplaren angeblich stabil bleibt.

Dem Trend widersetzen kann sich die konservative Junge Freiheit. Die Zeitung teilt mit: Laut IVW „stieg die verkaufte Auflage der JF im dritten Quartal 2015 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8,8 Prozent auf 24.294 Exemplare. Die Druckauflage sank um 7,5 Prozent auf 30.465 Exemplare. Die Zahl der verkauften E-Paper Exemplare stieg im Gegenzug von 356 auf 1.446 Exemplare. Am Kiosk wuchs die verkaufte Auflage um 16,6 Prozent auf 3.136 Exemplare. Die Zahl der Abonnements einschließlich der „Sonstigen Verkäufe“ (Studenten-, Schüler- und Sozialabos) wuchs gegenüber dem Vorjahr um 7,8 Prozent auf 21.158.“

Na bitte, geht doch.

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