Die Polizei konnte flüchten

Wenn es kalt wird zur Nacht wie im Herbst 2015, wird gerne ein Feuer gemacht. In exterritorialen und von der Zivilgesellschaft umfassend betreuten Gebieten wie in Friedrichshain, einem fast vollständig von jeglicher Staatsgewalt befreiten Stadtteil von Berlin, geschieht dies mit schöner Regelmäßigkeit. Manchmal rückt Polizei an wie kürzlich in der Rigaer Straße, wo sich zivilgesellschaftliche Kräfte an einem mit zusammengetragenen Müll entzündeten Feuer wärmten. Als die Polizisten ausstiegen, wurden sie vom Dach eines Hauses mit Steinen beworfen. Die Beamten hätten flüchten und sich in Sicherheit bringen können, meldete tags drauf der „Berliner Rundfunk“.

Staatsorgane auf der Flucht – das ist die bittere Realität im Deutschland des Jahres 2015. Eine Polizistin aus Bochum in Nordrhein-Westfalen, wo der Zusammenbruch staatlicher Strukturen ähnlich weit fortgeschritten zu sein scheint wie in Berlin, hat zur Feder gegriffen und ihre Eindrücke in einem Buch zusammengefasst. Tania Kambouri heißt die junge Dame in Uniform und ihr Buch heißt „Deutschland im Blaulicht – Notruf einer Polizistin“ (erschienen am 5.10.15 bei Piper).

Kambouri darf das offenbar nur veröffentlichen, weil sie griechischer Abstammung ist. Ein deutscher Polizist wäre für so einen Satz sofort gefeuert worden: „Eine Anpassung der Einheimischen an Einwanderer darf niemals stattfinden, nur um den Intoleranz-Vorwurf zu vermeiden.“

Die Autorin schildert, wie sie mit ihrer Kollegin zu einem Einsatz fuhr; der Türke, der die Polizei gerufen hatte, aber nichts mit „Bullenschlampen“ zu tun haben wollte und auf männlichen Polizisten bestand. Die männlichen Polizisten wurden offenbar geschickt. Dass Menschen, die das Grundgesetz nicht achten und eine Parallelgesellschaft bilden, tun und lassen können, was sie wollen, findet die Polizistin unerträglich: „Wo sind wir mittlerweile gelandet? Ist es schon so weit gekommen, dass die deutsche Polizei beziehungsweise der Staat sich (negativ) anpassen muss und wir unsere demokratischen Vorstellungen in gewissen Lebens-/Einsatzsituationen einschränken und aufgeben müssen?“ Sie bestätigt, was allenthalben zu hören ist: Ihre deutschen Freunde und Kollegen äußerten oft, dass sie sich in ihrem eigenen Land nicht mehr wohlfühlen. Im Deutschlandfunk ergänzte die Polizistin: „Wir verlieren immer mehr und mehr die Hoheit auf der Straße.“

Kambouri empfiehlt, was man aus den USA mit ihrer heterogenen Gesellschaft mit reduziertem Grundwertekonsens bereits hinreichend kennt: Der Entwicklung kann nur mit ernsthaften Sanktionen, Geldstrafen, Kürzung oder Streichung sämtlicher Hilfen durch den Staat oder Gefängnis Einhalt gebieten. Eine „sanfte Linie“ bringt nach Meinung der Polizistin nichts.

Die Griechin gibt wieder, was viele Deutsche denken, sich aber in der sich konstituierenden DDR 2.0 nicht mehr zu sagen trauen, weil sie Repressalien zu befürchten haben: am Arbeitsplatz, aber auch gegen ihre Partner und Kinder. Die Erpressung des Systems funktioniert bereits fast perfekt, ohne dass sie von oben angeordnet wäre. LehrerInnen, Kita-ErzieherInnen, KollegInnen und selbst die VerkäuferInnen im Biomarkt: Sie alle arbeiten für den Aufbau des Sozialismus eine bessere Welt und dafür ist kein Opfer zu groß – Denunziation gehört dazu. Die Systemmedien erledigen dann den Rest. Typen in Kunstledermänteln, die Denunzierte mitnehmen, sind in einem System, das mit öffentlicher Anprangerei arbeitet, nicht mehr notwendig.

Altgediente Wessis beginnen jetzt zu verstehen, wie die DDR funktionierte und vor allem, warum sie so lange funktionierte. Ossis, die 1989 nicht vergessen wollen, gehen schon wie in Dresden wieder auf die Straße. Mal schauen, ob noch mehr Deutsche den Arsch noch hoch kriegen. Oder ob sie in ihren Fernsehsesseln weiter festkleben und Bundesliga schauen statt gegen Merkel aufzustehen.

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