Lügenpresse tanzt im Adlon

Vornehm geht die Welt zugrunde. An diese Volksweisheit fühlt man sich erinnert, wenn am Freitag, den 27. November 2015, die Spitzen der deutschen Lügenpresse im vornehmsten Berliner Hotel Adlon zum „Bundespresseball“ anrücken werden. Dort geben sich die Berliner Korrespondenten ein Stelldichein mit Abgeordneten, Ministern und Lobbyisten. Finanziert wird viel von Sponsoren, was den Wert der Unabhängigkeit der Presse nachhaltig symbolisiert.

Traditionell tanzt der Vorsitzende der Bundespressekonferenz, des Zusammenschlusses der Berliner Politik-Korrespondenten, mit der Frau des Bundespräsidenten zu Beginn des Balls. Da allerdings die Frau des Bundespräsidenten nicht da sein dürfte, wird der Vorsitzende der Bundespressekonferenz, Gregor Mayntz, mit der Konkubine des Bundespräsidenten, Daniela Schadt, das Tanzbein zu schwingen haben.

Mayntz wird das nicht stören, denn er ist fest in den politisch-medialen Komplex eingebunden. Er ist sogar so fest eingebunden, dass er jede Aktion mitzumachen hat, zum Beispiel, wenn es darum geht, den türkischstämmigen Schriftsteller Akif Pirincci fertigzumachen. Mayntz hatte in der von ihm in Berlin repräsentierten Zeitung „Rheinische Post“ gegen Pirincci kommentiert und ihm attestiert, den Satz „die Konzentrationslager seien derzeit leider außer Betrieb“ in einen Zusammenhang mit Flüchtlingen gestellt zu haben. Nachfragen oder sich wenigstens ein Video von der Veranstaltung mit Pirincci anzusehen, hatte der stets betont kritisch auftretende Mayntz nicht nötig. Er verfuhr nach dem Lügenpresse-Motto „immer feste druff, es wird schon was hängenbleiben“. Womit Balltänzer Mayntz nicht rechnete, war ein Schreiben von Pirinccis Anwalt. Kleinlaut gab die „Rheinische Post“ eine Unterlassungserklärung ab, in der sie sich verpflichtet, den falschen Konzentrationslager-Vorwurf nicht zu wiederholen. Zwar ist Pirincci durch den öffentlichen Sturm zunächst einmal erledigt, aber der Ruf der Rheinischen Post auch.

Das wird auf dem Bundespresseball keinen journalistischen und anderen Gast stören, denn bei Lachs, Wildlachs, Heilbutt, Seeteufel, Butterfisch, Forelle, Aal, Garnelen, hausgemachter Wurst vom Brandenburger Sattelschwein, Wildscheinkeule mit karamellisierten Maronen, Waldpilz-Gnocchi und Portweinsauce, Havelzander in der Salzkruste mit weichem Grenaille-Kartoffelstampf und frisch geriebenem Meerettich lässt sich der ganze Ärger mit den deutschen Rechten, die die fröhliche Zivilgesellschaft stören, schnell vergessen.

Und ist erst einmal der Ballsaal im Adlon erreicht, wo es „live gewolftes Tartar“ vom Uckermärker Rind, abgeschmeckt mit Zwiebeln, Gewürzgurken, Cognac und Schnittlauch sowie „Umami“ mit Sojasauce, Sesam, Ingwer und Chili serviert mit Crackern und Wasabinüssen gibt, lässt sich auch der dramatische Auflagenschwund der deutschen Lügenpresse vergessen. Bei der Käseauswahl mit Feigensenf, Früchtebrot und Chutneys und der „Adlon-Currywurst“ mit Milchbrötchen wird auch kein Gedanke an die vielen ehemaligen Kollegen verschwendet, die bereits arbeitslos sind, vielleicht auch deshalb, weil sie eine falsche Meinung vertreten haben.

Flüchtlinge sind übrigens nicht zum Bundespresseball eingeladen. Kein Qualitätsjournalist muss sich also Sorgen machen, die „hausgemachten Eclairs“ und „Cupcakes im Blütenstyle“ könnten schnell vergriffen sein.

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