Lügenpresse schrumpft und schrumpft und…

Die deutsche Lügenpresse befindet sich weiter auf Talfahrt. Die einen Titel sinken schneller, die anderen weniger schnell. Aber für alle gemeinsam gilt: Der deutsche Qualitätsjournalismus, der nur Leute bevormunden, aber nicht informieren kann (siehe Köln), dämmert seinem Ende entgegen. Die neuen Auflagenzahlen, festgestellt von der unabhängigen IVW, sind wieder fantastisch. Aber der Reihe nach:

Überregionale Tageszeitungen: Springers Lügenblatt BILD hat die Zwei-Millionen-Grenze unterschritten und das deutlich. BILD verkaufte im vierten Quartal 2015 1,808 Millionen Exemplare und damit fast 250.000 weniger als im vierten Quartal des Vorjahres. Das entspricht einem wunderschönen Minus von 12,1 Prozent. Hier werden nur die Zahlen der Abonnements und des Einzelverkauf am Kiosk und im Supermarkt genannt. Die sonstige Auflage beruht ohnehin nur auf Tricks wie Zeitungspaketen, die kostenlos in Hotels, Krankenhäusern und Seniorenheimen abgeworfen werden. Die bisher reichlich mit kostenlosen Zeitungen bedachte Lufthansa will den Papiermüll jetzt nicht einmal mehr geschenkt haben. Die Fluggäste lassen Zeitungen ungelesen liegen.

Die Prantl-Prawda Süddeutsche Zeitung verliert 3,5 Prozent und kommt noch auf 307.150. Die inhaltlich schlingernde Frankfurter Allgemeine Zeitung verliert 6,6 Prozent (230.489). DIE WELT hat keine 100.000 mehr. Verkauft werden 98.554 Exemplare (erfreuliche 14,2 Prozent minus). Handelsblatt (88.201) und Neues Deutschland (26.974) sind angeblich stabil geblieben.

Wochenzeitungen: Bild am Sonntag rutscht erstmals unter die Millionen-Grenze und verkauft noch 998.825 Stück (minus 3,9). Die Zeit kann sich dem Trend auch nicht mehr entziehen (minus 0,4 auf 429.676). Die Welt am Sonntag büßt 6,4 Prozent (260.063) ein, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 6,8 Prozent (242.274). Allein auf dem Siegerpodest ist die konservative „Junge Freiheit“, die um 14,2 Prozent auf 21.659 Exemplare zulegt. Rechts sein lohnt sich. Es macht außerdem Spaß.

Magazine: Ach, ist das schön. Beim Focus geht die Auflage um 3,6 Prozent runter. Wegen nur noch 247.538 verkaufter Exemplare wurde Chefredakteur Ulrich Reitz gefeuert, der schon bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) kläglich scheiterte. Reitz hatte versucht, den Kurs des Blattes ein wenig nach rechts zu drehen. Doch 1. geht das mit einer linken Mannschaft nicht, und 2. haben ihm das die Leute nicht mehr abgenommen. Wer glaubt schon Lügenpresse?

Einfach schön ist die Entwicklung beim „Spiegel“. Das schon länger unter Ladehemmung leidende „Sturmgeschütz der Demokratie“ (Rudolf Augstein) hat 5,5 Prozent oder 34.839 Exemplare verloren und kommt noch auf 600.625. Die Hamburger hatten mal eine Million! Die haben das eingenommene Geld nicht mehr gezählt, sondern gewogen. Alles vorbei. Schön.

Hatte der Spiegel früher eine Million Auflage allein, so kommen jetzt „stern“ und Spiegel zusammen auf diesen Wert. Das einst von dem Nazi Henri Nannen gegründete Blatt erreicht noch 400.200 Käufer und Abonnenten (minus 2,9 Prozent), fast 20.000 Exemplare weniger als die „Freizeitwoche“

Tageszeitungen: Auf dem einst so hart umkämpften Berliner Zeitungsmarkt gibt es einen Verlierer: alle Zeitungen. Zusammen verlieren sie 30.000 Abos und Käufer und damit etwa die Hälfte der noch verbliebenen Auflage der „Berliner Morgenpost“, die mit einem schönen Minus von acht Prozent auf 65.666 Exemplare absackt. Größte Berliner Zeitung ist jetzt der Tagesspiegel mit einem minus von 6,4 Prozent auf 93.597. Kein Berliner Blatt verkauft damit noch mehr als 100.000 Exemplare. Alle sind tief im Minus: BZ (-6,7 Prozent), Berliner Zeitung (-8,1) und Berliner Kurier (-5,0). Darauf erheben wir unser Glas.

Bei den Regionalzeitungen ist es ähnlich mies. In den neuen Ländern werden Verluste bis zu fünf Prozent eingefahren. In Hamburg schrumpft das Abendblatt um erfreuliche 4,5 Prozent auf 170.427 Exemplare. Hart erwischt es die Hamburger Morgenpost, die 9,2 Prozent verliert und nur noch 56.642 Exemplare verkauft. Verlass ist auf die Verlierer in Westdeutschland wie die Funke-Mediengruppe (WAZ und andere), die 5,8 Prozent abgeben und noch 567.476 Stück verkaufen. Schön, dass der Kölner Express gleich zehn Prozent verliert. Je mehr man nach Süden kommt, desto geringer werden die Verluste. Es ist schon so, dass im vielfältigen und toleranten Berlin Entwicklungslinien der Zukunft betrachtet werden können. Der Rest Deutschlands folgt aber, erst langsam, dann immer schneller.

Das heißt: In einigen Jahren sind die meisten Zeitungen Geschichte. Sie teilen dann das Schicksal von Postkutsche, Analogfotografie und Faxgerät.

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