Jetzt wächst endlich zusammen…

Politiker sollten Journalisten respektieren, vielleicht sogar fürchten, aber ihnen keine Preise umhängen. Wenn es Preisverleihungen durch Politiker an Journalisten gibt, dann läuft etwas fürchterlich schief im Staate. Und genau dies ist der Befund von der Bundesrepublik Deutschland des Jahres 2016. Es gibt tatsächlich einen „Medienpreis des Deutschen Bundestages“. Qualitätsjournalisten haben heutzutage keine Hemmungen, sich um diesen Preis zu bewerben beziehungsweise ihn entgegen zu nehmen.

Aber vielleicht sollten wir sogar dankbar sein, dass es diesen Preis gibt, denn er lässt auf Preisträger und Verleiher tief blicken. Der Medienpreis des Bundestages ging an die Qualitätsjournalistin Sandra Stalinski (Deutschlandradio Kultur). Sie hatte ein Porträt über eine Abgeordnete geschrieben. Das ist theoretisch eine gute Sache, denn Hörer beziehungsweise Leser erfahren dann etwas über die Abgeordnete. Stalinski wurde ausgezeichnet, weil sie eine ehemalige Klassenkameradin porträtierte, „die heute als Politikerin im Hessischen Landtag sitzt“, wie der Pressedienst des Bundestages lobt. Es handelt sich um Angela Dorn, die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen im hessischen Landtag. Journalistin und Politikerin kennen sich seit Kindeszeiten, statt Distanz als Voraussetzung für Objektivität ist Nähe angesagt und sogar preiswürdig. Ein schon fast rührender Beleg für die Heimeligkeit im politisch-medialen Komplex des Deutschlands dieser Tage.

Die Preisverleihung bei Sekt und Häppchen fand übrigens im Langenbeck-Virchow-Haus in Berlin statt. In dem Gebäude tagte ab dem 8. November 1950 die Volkskammer der DDR bis zum Bezug des Neubaus am Schlossplatz. Bei Wikipedia ist zu lesen: „In die Zeit der Nutzung als Volkskammergebäude fielen unter anderem die erste und zweite Wiederwahl Wilhelm Piecks zum Präsidenten der DDR sowie die Gründung der Nationalen Volksarmee der DDR am 18. Januar 1956.“ Gibt es einen schöneren Ort für eine offizielle Veranstaltung des Deutschen Bundestages?

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