Die Reichen kaufen Gold – die Armen sparen Euro

Die privaten Goldkäufe in Deutschland haben im vergangenen Jahr 2015 mit 120 Tonnen einen historischen Rekordstand erreicht. Damit schichten „die Deutschen“ ihr Geldvermögen in das seit Beginn der Menschheitsgeschichte wertstabile Edelmetall um. Die Käufer wissen um den Wert des Papiergeldes Euro, auf das ein Satz von Voltaire vor über 200 Jahren zutrifft: Papiergeld kehrt immer zu seinem inneren Wert zurück. Das Wertversprechen der Euro-Währung wird durch den Italiener Mario Draghi personifizert. Wer darüber mal eine Nacht nachdenkt, wird am nächsten Morgen mit seinen Scheinen zum Goldhändler eilen und nicht zur Bank, wo es längst keine Zinsen oder höchstens vergiftete Anlageprodukte wie grüne Kapitalbeteiligungen und hochriskante Spezial-ETF gibt. Die Sparkasse Walsrode bietet jetzt 0,01 Prozent Zinsen!

Selbst ein Kursverlust des gelben Edelmetalls von zehn Prozent im letzten Jahr konnte die Goldkäufer nicht schrecken, sondern die günstige Preissituation animierte sie zu weiteren Käufen. Jetzt überlegen wir einmal, wer Gold kauft: Das ist natürlich nicht der kleine Mann mit Frau und zwei Kindern, der sich als Arbeiter oder Angestellter mühsam durchs Leben quält. Das ist auch nicht die alleinerziehende Mutter, deren Kerl über alle Berge ist und den Unterhalt nicht zahlt. Diese Leute müssen fürs Alter auf die Staatsrente vertrauen, und vermutlich haben Maschmeyers Klinkenputzer mit Unterstützung der Berliner Räuberbande viele noch in einen Riester-Rentenvertrag gelockt, aus dem sie mit viel Glück kaum das herausbekommen, was sie eingezahlt haben.

Der Goldkäufer hat im Regelfall ein Geldbündel in der Tasche. Seinen Goldkauf belohnt der Staat noch mit Mehrwertsteuerfreiheit. Das heißt: Wenn der kleine Mann sich mal eine Silbermünze für 20 Euro kauft, sind 19 Prozent Mehrwertsteuer drauf. Kauft der Reiche eine Unze Gold für 1.100 bis 1.200 Euro, ist der Kauf steuerfrei. Bei einem Gesamtwert der Goldkäufe von 3,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr sind dem Staat damit 722 Millionen Euro Mehrwertsteuer entgangen. Dieselben Politiker, die sonst jeden Cent für Integration, Bildung und Infrastruktur haben wollen, verzichten hier großzügig auf eine dreiviertel Milliarde.

Der Grund ist klar: Sie predigen vom Euro und kaufen selbst Gold, weil sie an ihr eigenes Gerede nicht mehr glauben. Sie beteiligen sich sogar am Goldgeschäft: Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gibt jedes Jahr zwei Goldmünzen heraus und verkauft sie Sammlern mit gehörigem Aufschlag auf den Metallpreis von 50 Euro pro Münze. Das machte im letzten Jahr sieben Tonnen Gold aus.

Wer mit Gold spekuliert, hat ebenfalls Erleichterung vom System bekommen. Es gibt Gold-Inhaberschuldverschreibungen, die an der Börse gehandelt werden. Vereinfacht gesagt, kauft der Anleger ein Gramm Gold als Papier an der Börse und erwirbt damit das Recht auf Lieferung des physischen Goldes nach Hause. Mehrwertsteuerfrei sind natürlich auch diese Papiere. Aber es kommt noch besser. Wenn der Anleger ein Gramm als Papier kauft und wieder verkauft, wollte das Finanzamt bisher wenigstens am Kursgewinn beteiligt werden.

Der Kursgewinn ist jetzt steuerfrei. Dies entschied der Bundesfinanzhof am 12. Mai 2015 (Az. VIII K4/15 und VIII r35/14.

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