Lückenpresse verliert Vertrauen

Eigentlich war für den politisch-medialen Komplex zum Thema „Lügenpresse“ ja alles ganz einfach: Der pauschale Vorwurf war so simpel, dass man ihn leicht abweisen konnte. Der weitaus intelligentere Ausdruck „Lückenpresse“ (Michael Klonovsky) ist bisher nur Liebhabern des Themas bekannt – wie ja überhaupt die Frage, ob die Medien in unserem Land ihren Job korrekt machen, das Problem einiger Medienspezialisten und montagswandernder Sachsen zu sein scheint, nicht wahr?

Seit dem 2. Mai 2016 ist belegt, dass dem nicht so ist: Im Auftrag des Bayerischen Rundfunks belegt jetzt eine repräsentative Studie, wie weit- und tiefgehend der Vertrauensverlust der Medien bei den Bürgern ist. Die Zahlen sind erschreckend und zeigen, dass eine ganze Branche den Markenkern ihres Schaffens – nämlich das Vertrauen – verspielt hat:

So sagen 61 Prozent der von TNS Emnid Befragten, Medien in Deutschland „blenden berechtigte Meinungen aus, die sie für unerwünscht halten“.

In einer Demokratie geradezu unheimlich mutet an, dass die Hälfte (49 Prozent) der Bevölkerung meint: „Die Medien schreiben einem vor, was man denken soll“. Zwei Drittel (66 Priozent) meinen, Medien „vereinfachen Sachverhalte zu sehr und verbreiten dadurch Vorurteile“.

Ein weiterer Befund: Nur eine Minderheit stuft die Medien insgesamt als „unabhängig“ ein. Nur ein Drittel der Befragten hält die Berichterstattung der deutschen Nachrichtenmedien für wirklich unabhängig. Die anderen zwei Drittel gehen von einer Einflussnahme von Regierung, Wirtschaft und Parteien aus.

Mit diesen weit verbreiteten Einsichten ist natürlich für die Mehrheit der Bürger die Mär von der „Vierten Gewalt“ hinfällig: Nur ein Drittel der Befragten glaubt, dass Medien in Deutschland ihre Kontrollfunktion erfüllen.

Zur Ironie der Geschichte gehört, dass der links-grüne „Tagesspiegel“ in Berlin die Studie exklusiv vorab bekam und daraus „berichten“ durfte. Einige Kernsätze aus dem realitätsfernen Text des Hauptstadtblatts: „Die Medien in Deutschland sind nicht in Verruf gekommen“, „…zeigt sich eine breite Mehrheit der Deutschen mit der Medienleistung zufrieden bis sehr zufrieden“, „Die überwältigende Mehrheit der Deutschen hat ein grundsätzlich positives Bild von Journalisten“. Die oben detailliert aufgeführten Ergebnisse werden nur teilweise erwähnt, dann nur kursorisch gestreift und mit keiner einzigen konkreten Prozentzahl aus der Studie illustriert.

Damit führt der „Tagesspiegel“ nicht nur sein Redaktionsmotto „rerum cognoscere causas“ ad absurdum – sondern er zeigt an diesem konkreten Beispiel und für jedermann nachvollziehbar, wie das so funktioniert mit der „Lückenpresse“. Und warum immer mehr Bürger es merken und dies auch offen sagen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Qualitätsjournalismus abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s