Boateng – oder alle reden über die AfD

Sonntag morgen beim Frühstück im Hotel: Der Kellner (Migrant) hat die Zeitung gebracht und beim Blick auf den Titel ergreift uns der Schrecken: „Gauland beleidigt Boateng“, schreibt die FAZ-Sonntagszeitung am 29. Mai 2016. Um Himmels willen. Bedeutet das eine Staatskrise? Werden jetzt Regierungen und Börsenkurse stürzen? Ein Nachbar fragt besorgt: Wird Deutschland jetzt nicht mehr Europa- und Weltmeister im Fußball? Einen Boateng wolle man nicht als Nachbarn haben, soll Gauland angeblich über den Fußball-Nationalspieler geäußert haben.

Schon beim Lesen stellt sich heraus, dass die Zitatbasis der Zeitung sehr dünn ist und der stellvertretende Vorsitzende der Alternative für Deutschland (Afd), Alexander Gauland, bei einem Gespräch mit Qualitätsjournalisten einen Furz gelassen haben könnte, der vielleicht gewaltig stinkt, aber keine weiteren Wirkungen hat.

Es fällt auf, dass der gesamte politisch-mediale Komplex nur noch ein Thema kennt: die AfD. Als ein AfD-Politiker den Finger auf die kirchliche Sozialindustrie richtete, die am Elend in Deutschland prächtig verdient, war die Empörung groß. Alle Teilnehmer des katholischen Kirchentages bekamen Schnappatmung, reden mit der AfD wollte aber niemand. Die Empörungsindustrie lebt nun davon, nicht mit denen zu reden, über die sie sich empört, sondern verbal zuzuschlagen.

Besser als Roland Tichy und Fritz Goergen kann man die Causa Gauland nicht bewerten. Sie schreiben, die Titelzeile „Gauland beleidigt Boateng“ irritiere „jeden halbwegs intelligenten Leser, der auf der Titelseite Wichtiges lesen will und nicht Wichtigtuerei, die auch nicht wichtiger wird, nur weil sie politische korrekte Erregung ist. Gerne hätte man das Interview und damit die Aussagen von Gauland im Kontext gelesen. Das wird uns nicht zur Verfügung gestellt. So entzieht es sich der Bewertung. Dem Leser sollen Wortbrocken reichen; danke, liebe FAS, unsereiner will schon gerne lesen, ehe er glaubt. Aber offensichtlich handelt es sich um ein Hintergrundgespräch. Das entzieht sich noch mehr der Bewertung, und es ist eher ein Frage des Stils, solche meist meist um ein Thema mäandernde Gespräche schlagwortartig zu veröffentlichen. Gauland bestreitet die ,Beleidigung‘ und beruft sich auf Vertraulichkeit und bruchstückhafte Wiedergabe. Dazu wiederum nimmt die FAZ Stellung. Eigentlich bedarf das Gespräch der Autorisierung. Damit ist der Fall Gauland auch ein Fall FAZ.“

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