Redaktions-Deppen

In der Stuttgarter Zeitung vom 1. Juni 2016 ist zum Thema Streit zwischen CDU und CSU von einem Kommentator mit dem Namen Armin Käfer zu lesen: „Das Wort Union hat seinen Ursprung im Kirchenlatein. Da bedeutet ,unio‘ nichts anderes als Einheit. Insofern betreiben die beiden christlichen Parteien Deutschlands seit Monaten Etikettenschwindel. Sie bieten alles andere als eine Einheit.“

Da hat der Redaktions-Depp aber zugeschlagen. Mit dpa und Wikipedia als Primärquellen und begrenzter eigener politischer Bildung kann Käfer natürlich auf diesen Gedanken kommen, den er möglicherweise originell findet. Nur: Die lateinische „unio“ oder die deutsche Union hat mit der Einheit zwischen CDU und CSU überhaupt nichts zu tun.

1945, als die Nazidiktatur zusammenbrach, hatten die Gründer der demokratischen bürgerlichen Parteien vor allem im Sinn: Sie wollten die konfessionelle Spaltung Deutschlands, die in der Politik sowohl im Kaiserreich als auch in der Weimarer Republik zu verheerenden Ergebnissen geführt und Hitlers Aufstieg erleichtert hatte, überwinden. Das war eine großartige Vision in einer Zeit, als sich katholische und evangelische Christen nicht nur in Nordirland, sondern auch in Deutschland oft unversöhnlich gegenüberstanden. Dass diese Union gelang, ist eines der großen Verdienste der Partei Konrad Adenauers und natürlich auch der CSU in der unmittelbaren Nachkriegszeit.

Dass Qualitätsjournalist Käfer das nicht weiß, ist nicht nur ein Armutszeugnis, sondern steht pars pro toto für den gesamten politisch-medialen Komplex. Sie wissen alle nicht mehr, wo sie herkommen. Und deshalb wissen sie auch nicht mehr, wo sie hingehen werden.

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Eine Antwort zu Redaktions-Deppen

  1. Hat dies auf Des katholischen Kirchfahrters Archangelus unbotmäßige Ansichten – ob gelegen oder ungelegen. rebloggt und kommentierte:
    Ein Signum unserer Zeit: Wer in den 70ern und 80ern in der Schule einigermaßen aufgepaßt hat und neben der Schule noch ein paar historischen und literarischen Neigungen nachging, legte unverhofft die Basis zum Intellektuellen-Status in der Gegenwart. Gemessen an der geistigen Verfassung dieser Gesellschaft ist man mit (früher) durchschnittlichen Kenntnissen der Rechtsschreibung, der Geschichte und Geographie bereits ein weiser Denker. Menschen mit „urdoitschn“ Wurzeln dilettieren mit der eigenen Muttersprache und haben (wenn überhaupt) nur noch rudimentäre Kenntnisse der Geschichte ihres Landes.

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