Presseschau: Orlando, das Gewehr und Trump

Nach Einschätzung der meisten deutschen Zeitungen ist die Ursache des von einem Moslem begangenen Massakers in Orlando (Florida, USA) vor allem auf die laxen amerikanischen Waffengesetze zurückzuführen. Fast einhellig wird gewarnt, dass der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump, der für deutsche Journalisten eine Art Gottseibeiuns ist, von dem Terroranschlag profitieren könnte.

In diese Kerbe schlägt erwartungsgemäß der Berliner Tagesspiegel am 14. Juni 2016 und schafft sogar den Bogen bis zur Alternative für Deutschland: „Amerikaner, Juden, Blasphemisten, Frauen und Homosexuelle haben es nicht verdient, von Donald Trump, Marine Le Pen, Geert Wilders oder der AfD vertreten zu werden. In einer offenen Gesellschaft können auch die Feinde der Feinde noch Gegner sein.“

Auch die Neue Osnabrücker Zeitung zieht eine gedankliche Linie von Orlando bis Trump, womit jeder Verdacht vom Islam abgewendet wäre: „Bestätigt sich, dass islamistischer Terror erneut die Vereinigten Staaten getroffen hat, wird dies die Anti-Islam-Kampagne von Donald Trump beflügeln, der auch so schon Muslime wahlweise ausweisen oder internieren wollte. Das wäre dann nach dem Anschlag von Orlando der zweite Angriff auf die amerikanischen Grundwerte.“

Vielversprechend beginnt die taz, kann sich aber nicht vom miefigen links-grünen Milieudenken befreien: „Natürlich: Nicht alle Homophoben zählen zum Islam, aber alle Islamisten sind potenziell mörderisch gesinnte Homophobe. Auch deshalb sind queere Menschen in islamischen Ländern seit jeher in Gefahr. Aber was nun definitiv falsch wäre: das Attentat von Orlando mit Muslimischem gleichzusetzen. In Wahrheit verdienen gerade muslimische Schwule und Lesben besonderen Schutz vor der Vergeltung ihrer angeblich religiös und familiär Nächsten.“

Gleichlautend kommen Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau auf den geradezu närrischen Gedanken, der Anschlag habe geschlechterspezifisiche, also männliche Ursachen: „Trumps brutaler und machistischer Populismus kann paradoxerweise mehr dazu beitragen, die Bluttat von Orlando zu verstehen, als es ihm lieb sein dürfte. Denn ein evidenter, gern verdrängter Aspekt ist, dass dieser Anschlag wie fast alle Massaker zuvor von einem Mann verübt wurde. Es ist Männergewalt. Und die hat Gründe. Seit Jahrzehnten gibt es eine Gruppe von Männern, die sich benachteiligt fühlt. Sie fürchtet um ihre Arbeit, ihre soziale Stellung – von Aufstieg ist da ohnehin keine Rede mehr – und ihre ,gute alte‘ kleine Welt, die sie von Globalisierung, Migration und gesellschaftlichen Reformen wie der Homo-Ehe oder der Förderung von Frauen und Minderheiten bedroht sieht.“ Kompliment: Das Feindbild „alter weißer Mann“ auf junge, kräftige muslimische Männer auszudehnen, das hat vorher noch niemand geschafft. Der Leitartikel ist absolut preisverdächtig und unser Lieblingsstück in dieser Aufstellung.

Der neue Tag im bayerischen Weiden bemüht sich, vom Begriff Anschlag oder Massaker oder islamischer Terroranschlag wegzukommen: „Welche Rechtfertigung verwirrte Amokläufer für ihren ,erweiterten Suizid‘, wie Fachleute das nennen, ins Feld führen, ist nicht relevant für die Einordnung der Tat. … Gäbe es den IS oder die Neonazis nicht, sie hätten eine andere Ideologie gefunden, um ihre Tat zu begründen.“

Die Badischen Neuesten Nachrichten drehen nicht so richtig auf, sondern geben sich moderat: „Es war seit Monaten klar, dass etwas, wie es jetzt in Orlando geschah, Öl ins Feuer des Präsidentschaftswahlkampfes gießen würde. Klar war auch, dass der Populist Donald Trump fast wie im Reflex versuchen würde, das Verbrechen für seine Zwecke auszuschlachten. Genauso ist es nun gekommen. Während Amerika unter Schock steht, nutzt Trump den Anschlag aus, um Punkte zu sammeln.“

Dafür kommt die Landeszeitung Lüneburg mächtig in Fahrt: „Und es erhöht die Gefahr, dass die US-Bürger einen politischen Hochstapler zum mächtigsten Mann der Welt machen – Donald Trump. In der Tragödie von Orlando bündeln sich wie in einem Brennglas die Konfliktlinien um das Waffenrecht, um Homosexuellenrechte und islamistischen Terror. Konflikte, über die sich das Land, das von einem Kulturkampf gelähmt wird, nicht mehr einigen kann.“

Die Thüringische Landeszeitung weiß ganz genau: „Mit der Ideologie oder Religion des Schützen hat das erst einmal nichts zu tun. Donald Trump sagt, der hätte auch ein Messer oder eine Bombe verwenden können. Eine Bombe ist jedoch schwerer zu beschaffen – und mit einem Messer lassen sich zweifellos nicht 49 Menschen ermorden und noch einmal so viele verletzten.“

Bedauernd schreibt die Mittelbayerische Zeitung aus Regensburg: „Leider ist dies auch die Stunde der Rattenfänger, die einfache Lösungen für komplexe Probleme versprechen. Der National-Chauvinist Trump fällt in diese Kategorie. Seine Forderung, allen Muslimen die Einreise in die USA zu erwehren, gefährdet erst Recht die Sicherheit.“

Warum Einreiseverbote die Sicherheit gefährden sollen, bleibt Geheimnis dieser Zeitung, aber etwas mehr Aufklärung verschafft uns gottlob die Saarbrücker Zeitung, die konsequenterweise die Aufhebung der amerikanischen Einreisekontrollen fordert: „Notwendig ist ein radikales Überdenken staatlicher Präventionspolitik. Ein guter Start wäre die Abschaffung der unsinnigen Flughafen-Kontrollen, mit denen täglich in den USA wie in Europa Millionen Reisende – vom Kleinkind bis zur Oma im Rollstuhl – schikaniert werden, nur weil sie eine Flasche Wasser dabei haben. (.) Die intensivere Überwachung bekannter Islamisten und ihrer möglichen Kontakte mit allen technischen und personellen Mitteln ist dringlicher als je zuvor.“

Es drängt sich der Eindruck auf, dass in Regensburg und Saarbrücken journalistische Geisterfahrer am Werke sind. In unserer Hitparade sind diese beiden Kommentare nach Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau ebenfalls höchst preisverdächtig.

Mitten im großen Mainstream schwimmt die Rheinische Post aus Düsseldorf: „Während Amerika unter Schock steht und weltweit getrauert wird, nutzt Donald Trump den seit dem 11. September 2001 schlimmsten Terroranschlag auf amerikanischem Boden aus, um politische Punkte zu sammeln.“

Der Mannheimer Morgen widmet sich dem Attentäter, der den Befehlen seines Propheten und seiner islamischen Gelehrten folgte, um aber wenig später problemlos den Bogen zu Trump zu spannen: Der Täter „verübte einen Rachefeldzug gegen die Homosexuellen-Bewegung. Die Bürger von Orlando haben darauf stellvertretend für alle US-Amerikaner die richtige Antwort gegeben. Sie ist zum Glück anders ausgefallen als die des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump. Während die Menschen vor dem Schwulen-Club «Pulse» stundenlang für die Verletzten ihr Blut spendeten, versprühte der Muslim-Feind nur sein böses Gift. Trump will aus dem Massaker Kapital für den Kampf ums Weiße Haus schlagen. Das ist widerlich.“

Zum gern genutzten Argument, man komme in USA zu leicht an Waffen, greift die Rheinpfalz: „Wie viele solcher Irrsinnstaten sind nötig, um zu verstehen, dass das Recht auf Waffen, wie es in den USA gilt, ein Anachronismus ist? Der Staat muss das Gewaltmonopol haben. Kein Land darf Milizen oder Selbstjustiz dulden. Was für Somalia oder Irak einleuchtet, muss auch für Amerika gelten.“ Wie war das dann mit Frankreich, wo strenge Waffengesetze gelten und Moslems Ungläubige zu Hunderten mit automatischen Waffen niedermähten?

Für die Neue Ruhr Zeitung ist alles klar: „Es war klar, dass ein islamistisch angehauchter Anschlag in Amerika für den Wahlkampf sein würde, was ein Kanister Benzin für ein loderndes Feuer ist. Und es war auch klar, dass Donald J. Trump keine Sekunde zögern wird, sich als Brandbeschleuniger zu betätigen. Anstatt auf flüchtige Bewertungen, vorschnelle Schuldzuweisungen und hemdsärmelige Rezepte zu verzichten und vor allem der verängstigten Schwulen-und-Lesben-Gemeinde eine Schulter anzubieten, verhielt sich Trump erwartungsgemäß: unverantwortlich und schändlich.“ Den Begriff „flüchtige Bewertungen“ hatte man besser vermeiden sollen. Geht nach hinten los.

Einfallslos kommen die Westfälischen Nachrichten aus Münster daher: „Noch waren nach dem verheerenden Massaker in Orlando nicht einmal alle Leichen geborgen, da zog es die politischen Profiteure auf den Plan. Allen voran Präsidentschaftsbewerber Donald Trump, der neue Nahrung für seinen Kreuzzug gegen die Muslime fand. … Belegbarer Fakt ist es, dass sich das furchtbare Massaker nahtlos in eine Reihe unterschiedlich motivierter Schusswaffenattentate in den USA fügt. … Die Waffen gibt es – noch immer – quasi für jedermann im Supermarkt um die Ecke. Vielleicht sollte man da ansetzen – und nicht beim Generalangriff auf Muslime.“

Und wieder reinmal besättigt sich, dass – wer gut informiert sein und einen guten Leitartikel lesen will – zu einer ausländischen Zeitung greifen muss. Die Neue Zürcher Zeitung (Hinweis für NRW-Abiturienten: Zürich liegt in der Schweiz) schreibt: „Weder Hass auf Schwule noch die leichte Verfügbarkeit von Waffen können als eigentliche Ursachen der Tragödie von Orlando gelten. Kern des Problems ist vielmehr die Existenz einer Gewaltideologie – des Dschihadismus -, die es einem psychisch labilen, zu aggressiver Ausfälligkeit neigenden Täter wie Omar Mateen erlaubte, seinem kriminellen Handeln höhere Weihen zu verleihen. Ohne diese Ideologie hätte sich Mateen zwar ebenfalls an küssenden homosexuellen Paaren gestört, aber er wäre kaum zum Massenmörder geworden. (…)

Eine besondere Perfidie der Dschihad-Ideologie des IS besteht darin, dass sie es Gewalttätern ermöglicht, sich völlig autonom zu radikalisieren. Der Konsum von Hassbotschaften aus dem Internet reicht aus; ein persönlicher Kontakt zu einem Terrornetzwerk ist nicht notwendig. Das Bekenntnis zum IS dient dem Täter dabei als vermeintliche religiöse Legitimierung seiner Gewaltorgie.“

Doch halt, hoch im Norden, in Oldenburg, lesen wir plötzlich das in der Nordwest Zeitung: „Alle Organisationen, die den sich im Stillen radikalisierenden Orlando-Mörder fasziniert haben, treiben intensiv Propaganda unter Muslimen. Ihre Ideologie ist der politische Islam, und der vertritt eliminatorische Doktrinen gegenüber Normabweichlern. Dazu zählen Homosexuelle. Es ist daher absurd, die Frage aufzuwerfen, ob es sich denn nun um einen Anschlag aus Schwulenhass oder eine islamistisch motivierte Tat gehandelt hat. Homophobie ist ein Bestandteil des politischen Islam: Im Iran werden Schwule aufgehängt. Der IS lässt sie von Häuserdächern stürzen.“

Es ist unglaublich. Wir haben im medialen Konformisten-Deutschland eine abweichende Meinung entdeckt.

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