Wie gelogen wird: Abschaltbare Lasten

Der durch die Energiewende massenhaft anfallende Flatterstrom hat zwei Merkmale: 1. Wenn Strom da ist, wird er nicht gebraucht. 2. Wenn Strom gebraucht wird, ist es windstill und dunkel. Gegen dieses Manko hält die Bundesregierung eine ganze Reihe von Planungen und Maßnahmen bereit: Zuerst wird immer die Schaffung von Speichern genannt, obwohl jeder Schüler mit Physikunterricht weiß, dass Strom nicht gespeichert werden kann und Umwandlungstechniken (Power to Gas) den Preis in unermessliche Höhen treiben.

Schon der beschönigende Bericht der Bundesregierung zur Förderung von Stromspeichern liest sich wie ein Armutszeugnis. Während die Erzeugung von Flatterstrom jährlich mit 25 Milliarden Euro subventioniert wird, fördert die Regierung im Bereich Energiespeicherung 283 Projekte mit einer Gesamtsumme von 190 Millionen Euro, gerade einmal 7,6 Prozent der Summe, die den grünen Flatterstrom-Investoren zugeschustert wird. Im Bundesbericht Energieforschung 2015 (Bundestagsdrucksache 18/4899) wird stolz über Forschungsprojekte berichtet. Entstanden seien die beiden Leuchttürme „Wind-Wasserstoff-Kopplung“ und „Batterien in Verteilnetzen“. Die Regierung nennt Beispiele für neue Speichertechnologien: So sei im Mai 2014 der Grundstein für eine Sechs-Megawatt-Anlage zur Elektrolyse von Wasserstoff gelegt worden. Beim Projekt „M5Batt“ in Aachen handelt es sich um ein Batteriekraftwerk, das fünf Megawatt Strom liefern und damit am Markt für Sekundärregelenergie teilnehmen solle. Durch die Umwandlung in Methan könne man Strom langfristig speichern, indem das Methan ins Erdgasnetz eingespeist werde, schreibt die Regierung. Mit dem Projekt „WOMBAT“ solle erstmals eine Power-to-Gas-Anlage mit einer Leistung von 6,3 Megawatt entstehen. Wer die Zahlen sieht, ahnt, dass es sich hier um grünes Kinderspielzeug handelt, das nur Leute bewundern, die Kilo- und Megawatt nicht unterscheiden können und von „Terrawattstunden“ statt Terawattstunden schreiben.

Also bleibt den Energiewendern noch die andere Seite der Medaille: Verbrauch runterfahren, wenn die erneuerbaren Energien mal wieder nicht liefern. Dazu hat die Bundesregierung die Verordnung über Vereinbarungen zu abschaltbaren Lasten (Bundestagsdrucksache 18/8561) vorgelegt. Großen und flexiblen Stromverbrauchern wird damit die Möglichkeit gegeben, den Netzbetreibern gegen Vergütung abschaltbare Lasten zur Verfügung zu stellen, durch die der Stromverbrauch gesenkt werden kann. Zuverlässig zur Verfügung stehende abschaltbare Lasten könnten für Systembilanzzwecke und zur Engpassentlastung eingesetzt werden. Sofort abschaltbare Lasten könnten darüber hinaus „in der akuten Gefahrensituation der Unterfrequenz“ eingesetzt werden, jubelt die Bundesregierung und behauptet, auch die Bundesnetzagentur sei in einem Bericht vom Juli 2015 (Bundestagsdrucksache 18/6096) zu dem Ergebnis gekommen, dass abschaltbare Lasten sowohl für das Systembilanzmanagement als auch das Netzengpassmanagement geeignet seien.
Und jetzt wird es interessant: In dem Bericht der Bundesnetzagentur wird den abschaltbaren Lasten zwar eine grundsätzliche Eignung attestiert, aber zugleich festgestellt: „Es bestand im Berichtszeitraum kein Bedarf an abschaltbaren Lasten.“ Die Bundesnetzagentur empfiehlt, die Verordnung auslaufen zu lassen, zumal sich nur wenige Unternehmen mit abschaltbaren Lasten gemeldet hatten. Das heißt, die Abschaltbare-Lasten-Regelung ist ein Flopp. Davon steht in der Verordnung natürlich kein Wort. Im Gegenteil: die Regierung legt eine Verordnung vor, von der die Experten der Bundesnetzagentur dringend abgeraten haben.

Der Grund liegt auf der Hand: Den Leuten wird vorgegaukelt, man sei bei einem Engpass gerüstet.

Was den Übertragungsnetzbetreibern bei Engpässen im Netz bleiben wird, sind „Lastabwürfe“, mit denen sich mit einem Knopfdruck ganz viel Energie einsparen lässt. Davon ist auch in der Verordnung die Rede. „Lastabwürfe“ hießen übrigens früher, als die Sprache der Politik noch nicht wie bei George Orwell vernebelt war, Stromabschaltungen.

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